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Bistum Würzburg  > Im Wortlaut (Archiv)  > Predigten 2005

Aufopferungsvoller Petrusdienst

Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann beim ersten Requiem für Papst Johannes Paul II. am Sonntag, 3. April 2005, im Kiliansdom in Würzburg


Liebe Schwestern und Brüder,

am Vorabend des zweiten Ostersonntags, der von unserem verstorbenen Papst als Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit bezeichnet wurde und so auch gefeiert werden soll, ist unser Heiliger Vater an das Ziel seiner irdischen Pilgerreise gelangt. Ich bin mir sicher, dass Gott zu ihm sagen wird: „Komm, du guter und getreuer Knecht, nimm teil an der Freude deines Herrn.“ (vgl. Mt 25,21)

Die ganze Welt hat an seinem Sterben Anteil genommen. Auf dem Petersplatz zu Rom waren viele tausende Menschen zusammengekommen, um dem Papst auch räumlich nahe zu sein. In unseren Kathedralen und Kirchen rund um den Erdball haben sich in den letzten Tagen immer wieder unzählige Gläubige zu Gebeten für den Heiligen Vater zusammengefunden.

Diese große weltweite Anteilnahme am Sterben unseres Papstes zeigt nicht nur Betroffenheit über den Verlust dieses großen Pontifex, sondern vor allem Dankbarkeit für sein langes, überzeugendes Wirken. Dankbarkeit ist auch das mich bestimmende Gefühl in dieser Stunde.

Ein französischer Philosoph und Theologe formulierte einmal: „Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens.“ Wir dürfen Gott dankbar sein für einen Menschen, Priester, Bischof und Papst, der mit der ganzen Kraft seines Herzens die Aufgaben und Schwierigkeiten seines Lebens gemeistert hat.

Die erste Lesung aus dem Brevier der Kirche für den heutigen Weißen Sonntag beginnt mit den Worten: „Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.“ (Kol 3,1f.)

Diese Glaubensgewissheit hat unser Heiliger Vater durch Wort und Tat verkündet und gelebt.

Von ihm ging – wie der afrikanische Kardinaldekan Bernardin Gantin sagte – der Pulsschlag der Kirche aus: „Die Schläge seines Herzens sind bis in die Peripherie zu spüren. Geben und empfangen, empfangen und geben: Dies ist seine Sendung. Alles wird vom Zentrum inspiriert. Das Blut, das von der Herzensmitte des Papstes ausgeht, ist die Gnade Gottes.“ (L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 25.03.2005, S. 10).

Seit dem 16. Oktober 1978 hat Papst Johannes Paulus II. als 263. Nachfolger des Apostels Petrus die Geschicke der Kirche geleitet. Fast 27 Jahre lang hat er unermüdlich, ja aufopferungsvoll den Petrusdienst geleistet. Seine Gottverbundenheit konnte jeder erleben, der einmal das Glück hatte, in seiner Privatkapelle eine von ihm zelebrierte Heilige Messe mitzufeiern. Mit beiden Füssen auf der Erde stehend, ruhte sein Herz in der Gegenwart Gottes. Von dort her holte er sich Motivation, Wegweisung und Kraft für den die letzten Reserven menschlicher Kräfte aufbrauchenden unermüdlichen Einsatz.

Seine Liebe zur Gottesmutter drückte er in seinem Wahlspruch aus: Totus tuus – ganz der Deine.

Keiner seiner Vorgänger hat so viele Menschen besucht wie er. Keiner hat so viele einzelne Menschen begrüßt, gesprochen und begleitet. Mehr als 17 Millionen Pilger haben allein an den wöchentlichen Generalaudienzen teilgenommen. In seinen 104 Pastoralbesuchen außerhalb Italiens ist er hunderten Millionen Menschen begegnet, hat sie wahrgenommen, ermuntert und getröstet. Er ging bewusst in die großen Slums dieser Erde und stellte sich unerschrocken an die Seite der Armen und Entrechteten. Wie kaum ein zweiter trat er für das Lebensrecht aller Menschen ein – für die ungeborenen Kinder gleichermaßen wie für die Behinderten und Sterbenden.

Er hat – wie sicherlich in Zukunft noch herausgestellt werden wird – viele Kriege verhindert, den Fall des eisernen Vorhanges in Europa und die Wiedervereinigung Deutschlands maßgeblich beeinflusst.

Seine spirituelle Tiefe schlug sich in 14 Enzykliken und vielen Apostolischen Schreiben und Konstitutionen nieder. Wir werden noch viele Jahre brauchen, um die Schätze dieser Gedanken und Hilfestellungen zu heben.

Wir danken unserem Heiligen Vater für seine Hingabe an die Kirche und die ganze Menschheit, eine Hingabe, die er gerade in der Zeit des Attentates und bis in die letzten Tage seiner schweren Krankheit hinein aller Welt deutlich gemacht hat. Ich freue mich sehr darüber, dass vornehmlich die Jugend diese Haltung verstanden und dankbar beantwortet hat.

Besondere Geschenke waren das Heilige Jahr 2000 mit der dreijährigen Vorbereitungszeit im Blick auf die Dreifaltigkeit, das Rosenkranzjahr und das jetzige eucharistische Jahr, die Einführung der Weltjugendtage und das nicht verstummende Werben um Priester- und Ordensberufe.

Er hat sich sehr um die Einheit der Kirche in der Ökumene bemüht und den Dialog mit den Weltreligionen angestoßen und geführt.

Unvergesslich sind die letzten Bilder vom Fenster seines Arbeitszimmers über dem Petersplatz aus. Vor allem sein letzter stummer Segen „urbi et orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis) wird unvergessen bleiben.

Möge er nun, nachdem er das Tor des Todes durchschritten und das Ziel seines Lebens erreicht hat, auch vom Himmel her das Schiff Petri durch die recht stürmischen Zeiten hindurch begleiten.

Der heutige Evangelientext spricht von den Erscheinungen des Auferstandenen bei den Elfen. Thomas zweifelte, wurde in seinem Zweifel vom Herrn ernst genommen. Aber das Wagnis des Glaubens wurde ihm nicht abgenommen.

Unser verstorbener Heiliger Vater Papst Johannes Paulus II. hat unermüdlich auf die Realität der Auferstehung und des Himmels hingewiesen und die Mahnung des österlichen Herrn beherzigt: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.“ (Mk 16,16)

Wie seinerzeit der heilige Petrus unerschrocken die Auferstehung Jesu Christi verkündete, so erregte auch der Papst in unserer Zeit Erstaunen über seinen Freimut, unbeirrt im Namen und in der Vollmacht Jesu zu predigen und zu lehren.

Uns bleibt nur Dank zu sagen im festen Vertrauen, dass er in der Auferstehung Jesu die eigene Vollendung erfährt und am Freudenmahl des Herrn teilnehmen darf für alle Ewigkeit.

Amen.