Pforte des HimmelsPredigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann beim Pontifikalgottesdienst zur Eröffnung des Exerzitienhauses Himmelspforten am 22. April 2005 Liebe Schwestern und Brüder, am heutigen Tag dürfen wir wieder nach langer Renovierungszeit die Pforten dieses Exerzitienhauses öffnen. Himmelspforten – porta caeli – ein einladender Name für dieses Haus, das weit über die Grenzen unseres Bistums Würzburg ausstrahlt. Himmelspforten: Pforte des Himmels bedeutet die Hinwendung Gottes zu uns und die Öffnung des Himmels für uns! Dieser Ort ist durch viele Jahrhunderte hindurch durchbetet: Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster wurde seit 1844 von den heute noch ansässigen Karmelitinnen erworben. Ihre Nachbarschaft zu diesem Haus lässt den Opfer- und Gebetsstrom auch heute hierhin fließen. Am 26. Januar 1926 hatte Bischof Matthias Ehrenfried diesen Gebäudekomplex von den Schwestern für unser Bistum erworben. Die wunderschöne Lage am Ufer des Maines inmitten der Weinberge und der grünen Zellerau ist bis heute ein einladender Ort, an dem etwas von der Schönheit des Himmels erlebbar wird. Obwohl diese Gebäude den furchtbaren Angriff am 16. März 1945 unbeschadet überstanden hatten, so schlugen doch am 31. März 1945 16 Zwanzig-Zentner-Bomben ein und richteten großen Schaden an. Am 28. Juli 1953 konnte die Wiedereinweihung des ersten Bauabschnittes durch Bischof Julius Döpfner vorgenommen werden und am 10. Mai 1967 die Wiedereröffnung des ganzen Hauses durch Bischof Josef Stangl. Seit 1974 wirkte Prälat Walter Hohmann fast 30 Jahre als Rektor von Himmelspforten. Mehrere hunderttausend Menschen haben hier Exerzitien und Einkehrtage gemacht. Ihnen hat er immer wieder neu ein wenig den Himmel geöffnet und diesem Hauses Ehre gemacht. In den letzten anderthalb Jahren wurde hier eine Großrenovierung vorgenommen und das spirituelle Zentrum des Bistums als Exerzitienhaus und zentrales Tagungshaus der zahlreichen Bundesgremien und der deutschen Bischofskonferenz ausgerichtet. Mit großer Sensibilität wurden Gebäude und die einzelnen Räume durch den Diözesanbaumeister, den Kunstreferenten, zahlreiche Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Handwerker ausgestattet. Neben der einladenden Landschaft kommt auch die künstlerische Ausstattung hinzu. Schon das große Deckengemälde von Ben Willikens im Eingangsbereich und die vielen Bilder und Skulpturen im Haus und Garten führen über die Wege der Kultur in einen Wirklichkeitsraum Gottes ein, dessen Spuren wir auch in der Kunst entdecken können. Mit dem neuen Rektor Dr. Burkhard Rosenzweig, den Rita-Schwestern und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Himmelspforten soll eine spirituelle Begleitung fortgeführt werden, die Menschen ein Stückchen weiter auf dem Weg zum großen Lebensziel begleiten. Grund für dieses umfassend renovierte Haus ist das so eben gehörte Zeugnis aus der Apostelgeschichte: „Uns wurde das Wort des Heils gesandt.“ (Apg 13,26) Durch Maria, die Gottesmutter, die in der Lauretanischen Litanei als „Himmelspforte“ bezeichnet und angerufen wird, hat das ewige Wort des Vaters Fleisch angenommen und ist in unsere Welt gekommen. Sie ist aber zugleich unsere Fürsprecherin und darum auch für uns die Pforte zum Himmel. Heute gibt es eine große Glaubensunsicherheit, viele Fragen, ein Suchen und Sehnen nach Glauben und Geborgenheit im Glauben. Christus sagt uns im heutigen Evangelium: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ (Joh 14,1) Himmelspforten ist zwar noch nicht eine dieser verheißenen Wohnungen, aber doch eine mögliche Pforte dahin. Dank sei Gott an diesem Tage, da uns diese Himmelspforte wieder geschenkt wird. Amen. |