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Bistum Würzburg  > Im Wortlaut (Archiv)  > Predigten 2005

„Wir dürfen uns freuen“

Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann im Pontifikalamt zur Wahl von Papst Benedikt XVI. am 22. April 2005 im Würzburger Dom

 

Habemus Papam!

Wir haben wieder einen Heiligen Vater: Papst Benedikt XVI.

Welche Überraschung, als am Abend des 19. April 2005 weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufstieg. In nur vier Wahlgängen hatten sich die 115 Mitglieder des Kardinalkollegiums im Konklave auf einen Nachfolger des heiligen Petrus geeinigt. Schon diese Einmütigkeit ließ aufhorchen. Welche Überraschung und Freude aber, als von der Loggia des Petersdomes verkündet wurde, dass der neue Papst bisher Joseph Ratzinger hieß. Der auf dem Petersplatz aufbrausende Beifall umrundete den Erdball. Weltweit wurde spontane Freude über diesen erfahrenen Kirchenmann erlebbar, der schon bisher in den letzten fast 24 Jahren als einer der engsten Mitarbeiter des hoch verehrten verstorbenen Papstes Johannes Paulus II. in schwierigsten Fragen und Problemen des Glaubens wegweisend war.

Erst recht wir hier in Franken und Bayern dürfen uns darüber freuen, dass einer von uns für die Leitung der Kirche erwählt wurde. Aber auch die ganze deutsche Kirche darf sich über die Wahl eines der ihrigen zum Pontifex Maximus freuen, da darin auch eine Wertschätzung der deutschen Kirche und ihres weltweiten Engagements sichtbar wird.

Er ist einer von uns und gehört doch der ganzen Welt. Wir kennen seine Herkunft und wissen doch auch um das Besondere und Unverstehbare seiner Berufung zum Pontifex Maximus. Ja, Brückenbauer ist der neue Papst - ausgewiesen durch seine weltweit anerkannte theologische Forschung und Lehre, durch sein pastorales Engagement als Bischof in Deutschland und als Präfekt der Glaubenskongregation in Rom.

Seine gedankliche Tiefe und wortgewaltige Sprache ließen ihn viele Bücher schreiben – manche gehören gar zu den Bestsellern.

Einführung in das Christentum gehört mit zu den bewährten theologischen Klassikern. Aber auch bedeutende Werke wie Wahrheit, Werte, Macht, Demokratie in der Kirche und Vom Wiederauffinden der Mitte, die Grundorientierungen, Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren innerhalb der pluralistischen Gesellschaft aufzeigen, weisen weit über binnenkirchliche Fragestellungen hinaus. Salz der Erde und Gott und die Welt geben in zeitgemäßer Gesprächsform Auskunft über aktuelle Fragestellungen und oft – auch jetzt wieder –- geäußerte Wünsche an die Kirche.

Unser neuer Heiliger Vater ist uns kein Unbekannter, und doch vermag er uns das Staunen zu lehren. Schon der von ihm gewählte Papstname Benedikt XVI. verweist auf einen der Patrone Europas, den heiligen Benedikt von Nursia, der als Begründer des europäischen Mönchtums noch heute vielen Ordensgemeinschaften die Grundregeln monastischen Lebens schenkt. Gibt es nicht auch Parallelen zwischen der Gesellschaft seiner Zeit und der unsrigen?

Papst Benedikt XV. lenkte die Kirche während des Ersten Weltkrieges und stärkte in Rom den Blick für die globalen Aufgaben der Weltkirche. Er bereitete die Kirche vor, aus ihrer europäischen Verwurzelung in die weltweit wahrzunehmenden Aufgaben hineinzuwachsen. So dürfen wir im Blick auf diese Papstgestalt ebenfalls weltweite Sensibilität und Anteilnahme erwarten.

Wie der neue Heilige Vater schon in seiner ersten Predigt andeutete, wird er vor allem bemüht sein, im Bereich der Ökumene tätig zu sein und den Dialog der Religionen weiter zu fördern. Daneben wird er sicherlich mit aller Kraft auch das christliche Menschenbild als Grundlage für die uneingeschränkte Akzeptanz der Menschenwürde herausstellen und weltweit die Friedensbemühungen fördern.

Viele Titel kommen dem obersten Hirten der Kirche zu: Bischof von Rom – Stellvertreter Jesu Christi – Nachfolger der Apostelfürsten – Oberhaupt der universalen Kirche – Patriarch des Abendlandes – Primas von Italien – Souverän des Staates der Vatikanstadt u.a.m. Der wohl zutreffendste Ehrentitel ist aber doch: Diener der Diener Gottes.

Wer den Heiligen Vater noch als Kardinal Ratzinger kennen lernen durfte, weiß wie bescheiden er ist. Die auch nach außen sichtbar und hörbar gemachte Festigkeit von klar erkannten Positionen verbindet er mit einer menschlich zutiefst demütigen und auch humorvollen Haltung. Seine Fähigkeit zu zuhören verbindet er mit wachem schlussfolgerndem Intellekt und menschlicher Anteilnahme.

Wir dürfen uns wirklich von Herzen über unseren neuen Heiligen Vater freuen und großes von seinem Pontifikat erwarten. Er hat viele Gaben und Charismen von Gott erhalten. Gott schenkt ihn uns in dieser unserer Zeit als obersten Hirten und Lehrer. Hören wir auf ihn, der uns Wegweisung und Glaubensstärke schenkt. Projizieren wir nicht einseitig unsere Erwartungen auf ihn, sondern lassen wir es zu, dass er uns mit dem frei beschenkt, was uns zum Heil dient.

Es geht immer um die Liebe Christi, die uns empfängt, wenn wir seine Gebote halten und in seiner Liebe bleiben. Im heutigen Evangelium (Joh 15,9-17) werden wir Freunde genannt, weil wir nicht unmündige Knechte sind. Auf diesem Weg brauchen wir aber Wegbegleitung, die uns der Papst schenken will.

Stützen wir ihn durch unser Opfer und unser Gebet, damit die fast unmenschlich große Bürde auch für ihn nicht zu schwer wird. In jeder heiligen Messe, die auf der ganzen Erde gefeiert wird, wird von nun an sein Name genannt: Papst Benedikt XVI. Das geschieht nicht nur, um die Einheit mit ihm namhaft zu machen, sondern auch, damit er aus der Mitte unseres Glaubensgeheimnisses die Kraft für sein Wirken erhält und dem Evangelium gemäß reiche Frucht bringen kann.

Zum Ende des Evangeliums hörten wir, was für dieses Pontifikat und für uns alle in dieser Stunde gilt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!“ (Joh 15,16f.)

Amen.