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Hirtenbrief zur Einführung von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am 19. September 2004

 

Liebe Schwestern und Brüder,

nun ist sie vorbei, die lange Zeit des Wartens auf einen neuen Bischof. Mit dem heutigen Tag werde ich aus den Händen meines Vorgängers, Bischof Paul-Werner, den Kiliansstab übernehmen. Wie bei einer Stafettenübergabe wird mir der Hirtenstab für das liebenswürdige Bistum Würzburg anvertraut. Welch eine Aufgabe!

1. Ich danke unserem guten Gott für dieses verantwortungsvolle Amt, für das er mich – wie im Gleichnis von den Talenten – einst zur Rechenschaft rufen wird.

Ich danke unserem Heiligen Vater, Papst Johannes Paulus II., für das in mich gesetzte Vertrauen. Mir ist bewusst, dass wir nur alle zusammen und in der Einheit mit dem Petrusamt und der Weltkirche die Arbeit in unserem Bistum werden leisten können.

Als 87. Nachfolger des Heiligen Burkard darf ich in der heutigen Umbruchszeit mit Ihnen und für Sie die anstehenden Aufgaben und Probleme zum Lobe Gottes und zu unserer aller Heil aufgreifen. Ich brauche dies nicht voraussetzungslos zu tun. Meine Vorgänger im Bischofsamt haben die Kirche von Würzburg so verantwortungsvoll aufgebaut, dass ich darauf weiter aufbauen darf.

Von Herzen danke ich meinem Vorgänger, Bischof Paul-Werner, der nach fruchtbarem 24-jährigen Wirken den Hirtenstab weitergereicht hat. Ich bin ihm aufrichtig dankbar für seine sorgfältig erarbeiteten und umgesetzten Leitlinien und Perspektiven der Seelsorge in der Kirche von Würzburg.

Er bleibt uns ja dankenswerterweise mit seiner frischen, geistreichen Begabung und Einsatzfreude im Bistum erhalten. Durch seinen großen Einsatz für die Verwirklichung einer kooperativen Pastoral und sein unermüdliches Engagement für eine lebendige Ökumene hat er Wege bereitet, die ich gerne verantwortungsvoll weiter gehen möchte.

Meinen geistlichen Mitbrüdern – allen voran Weihbischof Helmut Bauer – möchte ich für den treuen und aufopferungsvollen Einsatz während der Vakanzzeit im letzten Jahr danken. Allen Mitbrüdern im Domkapitel, allen Priestern in den unterschiedlichsten Aufgaben, allen Diakonen und Seminaristen, denen ich besonders durch Weihe und Berufung verbunden bin, danke ich aus ganzem Herzen und bitte sie, gemeinsam mit mir zum Wohle der uns Anvertrauten, unser Glaubens- und Lebenszeugnis beherzt umzusetzen. Dies gilt ebenso für alle Ordensleute, die in besonderem Maße das Bistum Würzburg geprägt haben und auch in der heutigen Zeit in Treue und Demut segensreich ihre Berufung leben. Lassen wir uns von den Anfechtungen innerhalb und außerhalb der Kirche nicht verwirren, sondern unbeirrt in der Nachfolge Christi unseren Lebensweg weitergehen.

2. Ebenso herzlich danke ich allen haupt-, neben- und ehrenamtlichen Laien: den Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten, den Religionslehrerinnen und -lehrern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Caritas und Verwaltung. Ich ahne, wie viel Einsatz, Kraft und Vertrauen ihnen abverlangt wird. So mag es manchem schwer werden durchzuhalten und ungeschmälert seine Pflicht zu tun. Aber vergessen wir nicht, wir bringen uns nicht wegen eines menschlichen Lohnes oder Lobes ein, sondern wegen Gott. Und Gott, der auch das Verborgene sieht, wird uns nicht unbelohnt lassen. Dies gilt auch für alle, die sich – oft jahrelang – ehrenamtlich im Diözesanrat, in Kirchenverwaltungen, Pfarrgemeinderäten, Krankenbesuchsdiensten, Kirchenchören, Messdiener-, Jugendarbeit und Pfarraktivitäten aller Art einbringen. Was wäre die Kirche, ja was wäre auch die Gesellschaft ohne dieses ehrenamtliche Engagement?

Die Kinder und Jugendlichen rufe ich auf, bringt Euch aktiv in den Lebensvollzug der Kirche ein! Ihr habt so viele Möglichkeiten der Mitgestaltung kirchlichen Lebens, manchmal vielleicht mehr als Ihr selber wisst. Der Weltjugendtag im kommenden Jahr in Köln ist eine große Herausforderung und Chance zugleich.

Ein besonderes Wort des Dankes möchte ich den Kranken und Behinderten sagen, die oft ihr Leben im Verborgenen verbringen. So wahr es ist, dass über jedem Haus ein Kreuz steht, so wahr ist es auch, dass von jedem Krankenbett oder Rollstuhl Segen ausgeht, wenn der leidende Mensch sich nicht in sich verschließt und bitter wird, sondern bereit ist, auch das Schwere aus den Händen Gottes anzunehmen. Die tiefsten menschlichen Begegnungen wurden mir bei Besuchen und Gesprächen mit kranken und behinderten Menschen geschenkt, oftmals an einem Marienwallfahrtsort und da besonders in Lourdes. Ich durfte erfahren, wie viel Gnade durch ihre Haltung und ihr Gebet auf andere Menschen überströmte. Nutzen Sie die Möglichkeit zu beten und zu opfern, um so uns allen helfend beizustehen!

Schließlich möchte ich auch diejenigen grüßen, die sich von der Kirche abgewandt oder keinen Zugang zu ihr gefunden haben. Oft sind es ganz persönliche Enttäuschungen und Verwundungen, die den Kontakt zur Kirche behindern oder gar abbrechen lassen. Ich kann sie alle nur einladen, erneut eine Begegnung zu versuchen. Ich will alles in meinen Kräften stehende tun, um den einzelnen gerecht werden zu können. Über dem Vatikanpavillon auf der Expo 2000 stand der Spruch: „Der Mensch ist der Weg der Kirche, Christus ist der Weg des Menschen.“ Daran können wir uns halten.

3. Mein Bischofswahlspruch Ave Crux spes unica soll mir – und uns allen – den Weg zum großen Ziel erhellen. Die große Heilige des 20. Jahrhunderts, Edith Stein, der ich mich sehr verbunden fühle, hat die Kreuzesnachfolge nicht nur in theoretischen Abhandlungen betrachtet, sondern in aller Härte am eigenen Leib erfahren. Gerade deshalb ist mir dieser kleine Satz, den sie noch vor ihrem Abtransport aus dem holländischen Lager Westerborg in die Gaskammern von Auschwitz an ihre Priorin in Echt herausschmuggeln konnte, so wichtig. Edith Stein hat in vollem Bewusstsein der zu erwartenden Qualen Ja zur Übernahme des Kreuzes gesagt, weil sie an die befreiende Dimension der Erlösung durch den Gekreuzigten glaubte und ihm in die Herrlichkeit der Vollendung nachfolgen wollte. Welches Glaubenszeugnis!

Das Frankenland ist ein Marienland. Darüber habe ich mich bei meiner Berufung besonders gefreut und mir vorgenommen, die vielen Wallfahrtsstätten mit Ihnen zu besuchen. Die Patrona Franconiae hält unser Bistum in ihren schützenden Armen. Von daher habe ich keine Angst vor der Zukunft. Die anstehenden Herausforderungen sind groß. Neben spürbarem Glaubensverlust und schmerzenden Glaubenstrennungen sind Fehlverhalten innerhalb der Kirche genauso belastend wie die zurückgehenden finanziellen Mittel, die zu Einsparungen zwingen. Jede Krise birgt aber auch die Möglichkeit zur Selbstreinigung und zu einem Neuanfang. Besonders möchte ich den dringlich notwendigen Priester- und Ordensnachwuchs fördern und im Zusammenhang mit dem Eucharistischen Weltkongress das Bewusstsein für den Wert der heiligen Eucharistie vertiefen.

Sie haben mich so freudig und offen aufgenommen, dass ich Ihnen dafür nicht genug danken kann. Helfen Sie mir nun, dass unser schönes Bistum weiter blüht und nach dem Willen Gottes zu einem Segen für alle Menschen wird.

Es segne Sie der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Würzburg, zum 19. September 2004

Friedhelm, Bischof von Würzburg