Das Wappen von Weihbischof Ulrich Boom
Das Wappen Sr. Exz. Ulrich Boom, Titularbischof von Sulletto, Weihbischof in Würzburg, wird durch die Balken des Kreuzes vierfach geteilt. Die Spiritualität der auf Charles de Foucauld zurückgehenden Priestergemeinschaft "Jesus Caritas" inspiriert das stilisierte rote Herz auf weißem Grund. Ihm gegenüber spiegelt der rote Querbalken auf goldenem Grund die Farben des heimatlichen Bistums Münster wider. Der sogenannte fränkische Rechen: drei silberne Spitzen auf rotem Hintergrund, steht als altes Symbol für das Bistum Würzburg. Als Kennzeichen der Pilgerschaft erscheint die weiß-rote Muschel auf rotem Grund. Der Wahlspruch "Gratia • Caritas • Communio" nimmt Bezug auf die Grundworte im Segenswunsch des heiligen Apostels Paulus (2 Kor. 13,13). Ausführlich erklärt im untenstehenden Text der Bistumshistoriker Erik Soder von Güldenstubbe die Heraldik. Wegemarken im WappenbildSeit vielen Jahrhunderten ist es üblich, dass ein neu ernannter Bischof sich ein persönliches Wappen wählt. Die Heraldik folgt dabei gewissen, lange schon geltenden Regeln, dies gilt auch für die kirchliche Heraldik und Siegelkunde, so wenn zum Beispiel vatikanische Stellen, ein Bistum, eine Ordensgemeinschaft oder sonstige kirchliche Einrichtung ein Wappen oder ein Dienstsiegel annimmt. Aber es ist auch verständlich, wenn jemand, der mit einem leitenden Dienst in der Kirche betraut wird, Symbole und Zeichen in sein persönliches Wappen aufnimmt, die ihm auch persönlich wichtig sind. Genau das hat der Miltenberger Pfarrer Ulrich Boom getan, nachdem ihn Papst Benedikt XVI. zum Nachfolger des emeritierten Weihbischofs Helmut Bauer und gleichzeitig zum Titularbischof von Suletto im heutigen Tunesien ernannte. Der Wappenschild ist vierfach geteilt, die schweren Kreuzesbalken sind schwarz darauf gelegt. Ober- und unterhalb des Schildes formt sich der Kreuzstab. Erinnern die schwarzen Kreuzesbalken an Jesu Leiden und Sterben, so erinnert das goldene Kreuz oberhalb des Wappenschildes an die Auferstehung Jesu und an sein Erlösungswerk. 1. Wappen-Viertel: das stilisierte rote Herz auf weißem GrundUlrich Booms geistliche Heimat hat er in der Priestergemeinschaft Jesus Caritas gefunden, was „Jesus, die Liebe“ bedeutet. Diese Gemeinschaft lässt sich von Charles de Foucauld inspirieren, eine höchst bemerkenswerten Persönlichkeit: französischer Grafensohn, geboren am 15.9.1858 in Straßburg, früh verwaist, wurde Offizier und führte lange ein verschwenderisches, zügelloses, zielloses Leben. Während seines militärischen Einsatzes in Algerien, das damals französische Kolonie war, kam er in Kontakt mit der arabischen Welt und dem Islam. Zusammen mit dem Rabbiner Mardochi Abi Serur erforschte er - nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienste – 1883/84 Marokko, das damals Christen keine Einreise erlaubte, gab sich als Rabbi aus, da Juden dort einreisen durften. Beide erforschten und verkarteten das Atlas-Gebirge, das in Europa bis dahin kaum bekannt war. Weitere Forschungsarbeiten verschafften ihm in den folgenden Jahren einen besseren Ruf, als er ihn vordem hatte. Aber erst das Jahr 1886 brachte eine entscheidende Wende für Charles de Foucauld. Er wandte sich erneut Gott und der katholischen Kirche zu, die er beide als Halbwüchsiger verlassen hatte. Er suchte sich Gott in vollkommener Armut und Hingabe zu nähern. So trat er in den strengen Trappistenorden ein, den er jedoch 1897 wieder verließ mit der Begründung, das Klosterleben sei ihm zu wenig streng. Dann tat er Dienst als Klosterknecht in Nazaret und Jerusalem, bereitete sich in der syrischen Abtei Akbes auf das Priestertum vor und ließ sich 1901 zum Priester weihen. Von nun an lebte er wieder in Algerien, wo er unter anderem ein Wörterbuch der Tuareg-Sprache anlegte und deren sprachliche und dichterische Überlieferung schriftlich festhielt. Auf dem Plateau vom Assekram, einem Berg im Ahaggar- Gebirge errichtete er sich in 2700 Metern Höhe eine Einsiedelei. In den 1. Weltkrieg als ehemaliger französischer Offizier verwickelt, wurde er am 1. Dezember 1916 von einem aufständischen Senussi erschossen. Was ihn über dieses höchst bewegte Leben hinaus bedeutend macht, sind seine geistlichen Erfahrungen und Ideale. Ihm entwickelte die Vorstellung, Christus in besonders intensiver Weise nachzufolgen, in kleinen Gruppen von Christen, die mitten in der Welt leben, ohne sich in einem Klosterbau abzuschließen, solidarisch mit den Ärmsten zu leben und zu helfen, wo es nötig ist. Zu Lebzeiten fand er keine Gefährten, die ihm auf diesem Weg folgen wollten, zumal sein Lebens-Modell sich damals schlecht in das bestehende kirchliche Ordensleben integrieren lassen wollte. Erst lange nach dem Tod des Charles de Foucauld fanden sich Menschen zusammen, die sich von seinem Lebensideal faszinieren ließen und so entstanden die Gemeinschaften der Kleinen Schwestern und Brüder Jesu und weitere geistliche Kommunitäten, eine davon die Gemeinschaft Jesus Caritas, der auch Ulrich Boom angehört. Der 2005 von Papst Benedikt XVI. selig gesprochene Charles de Foucauld trug auf seinem Emeritenhabit, der der einfachen Beduinengewandung nachempfunden war, ein stilisiertes Herz mit einem Kreuz darüber. Ulrich Boom erinnert in seinem bischöflichen Wappen an erster Stelle an den, dessen Herz voll Liebe zu den Menschen war und ist, an Jesus Christus, der seine Liebe gerne weiter schenken will. 2. Wappen-Viertel: ein roter Querbalken auf goldenem Grund: Heimat MünsterlandAn Westfalen erinnert an zweiter Stelle das neue Wappen von Ulrich Boom durch die Wappenfarben seines Heimatbistums Münster. Der neuernannte Würzburger Weihbischof leugnet seine Herkunft nicht, sondern fühlt sich seiner Familie und seiner Ursprungspfarrei Mariae Himmelfahrt Ahaus-Alstätte im westlichen Münsterland herzlich verbunden, wo er aufwuchs und wichtige Prägungen seines Lebens erhielt. Als Ministrant und Sänger im Kirchenchor St-. Caecilia, als Pfadfinder und als gelernter Bauzeichner Mitgestalter der St. Stephanus-Kirche in Gescher-Hochmoor ist er vielen Landsleuten noch bestens in Erinnerung. Wer festverwurzelt ist, hat einen sicheren Standort. 3. Wappen-Viertel: der sogenannte fränkische Rechen: drei silberne oder weiße Spitzen auf rotem Hintergrund steht als altes Symbol für das fränkische Bistum WürzburgSicher nicht unvermittelt durch eine alte Bergsteigerfreundschaft mit dem langjährigen Würzburger Bischof Dr. Paul-Werner Scheele kam Ulrich Boom ins Frankenland. Seine Studien in Philosophie und Theologie, die er in Münster begann und in München fortsetzte, dort mit dem Studium der Kunstgeschichte erweiterte, schloss er in Würzburg ab, wo ihn 1984 Bischof Paul-Werner zum Priester weihen konnte. Mit diesem Oberhirten teilt er auch das rege Interesse an der Glaubensvermittlung durch Katechese. Ulrich Boom wurde nicht ohne Grund 1991 zum Diözesan-Vorsitzenden des Deutschen Katechetenvereins gewählt und 1996 ins Präsidium des Deutschen Katechetenvereines auf Bundesebene berufen, dem er immer noch angehört. Nicht nur theoretisch und als Verbandsfunktionär wirkt Ulrich Boom, sondern bis zu seiner Berufung zum Weihbischof stand er als nebenamtlicher Religionsleher in Grundschule und Gymnasium. Mit Bischof Scheele und mit dem amtierenden Würzburger Doözesanbischof Dr. Friedhelm Hofmann teilt Boom auch das Interesse an der Kunst. Bischof Hofmann, der ihm am 25. Januar 2009 die bischöfliche Weihe spenden wird, berief ihn deshalb schon 2006 in die Kunstkommision der Diözese Würzburg. Am meisten mit den Franken verbindet Ulrich Boom aber sein vielfältiger seelsorglicher Einsatz in Pfarreien des Bistums Würzburg, für das er sich weihen ließ, so in den Pfarreien Schweinfurt St. Peter und Paul, in Baunach, Frammersbach, Habichtsthal, Partenstein, Miltenberg und Bürgstadt. Ein Jahrzehnt lang übernahm er auch das Amt eines Dekan von Lohr am Main und stellte seine reiche Erfahrung auch im Pastoralrat des Bistums zur Verfügung. Jetzt ist er nicht nur mit einzelnen Gemeinden verbunden, sondern einer der wichtigsten Helfer und Mitarbeiter des Diözesan-Bischofs für den ganzen Sprengel des fränkischen Mutterbistums geworden. 4. Wappen-Viertel: weiß-rote Muschel auf rotem Grund: Zeichen der Santiago-Pilger.Der begeistere Wanderer Ulrich Boom, der zu Fuß oder mit dem Fahrrad schon viele Fahrten und Pilgerwege bestand, wählte als viertes Symbol seines bischöflichen Wappens die Sankt- Jakobusmuschel, ein altes Zeichen der Pilgerschaft. Damit reiht er sich einerseits in die Nachfolge der Apostel und Jüngerschaft Jesu ein, bekennt, dass wir hier – wie der Menschensohn – keine bleibende Heimat haben und solidarisiert sich mit allen Menschen, die auf oft verschlungenen Pfaden ihren Lebensweg von Anfang bis zum irdischen Ende gehen wollen. Als Mensch, Priester und Weihbischof will ihnen Ulrich Boom dabei Helfer und Begleiter und im Geiste Jesu Christi auch Wegbereiter und Wegweiser sein. Vielleicht deutet er dann auch den stilisierten Bischofshut mit den traditionellen Quasten, der das Wappenbild krönt, als Pilgerhut des apostolischen Wanderers. Als Wahlspruch wählte Ulrich Boom den Gruß des heiligen Apostels Paulus am Ende des zweiten Briefes an die Korinther, der heute oft zur Eröffnung der Messfeiern dient: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen. (2.Kor. 13,13) Aus diesem Gruß sind für die Wappendarstellung die zentralen Begriffe herausgenommen: Gnade, lateinisch Gratia, Liebe, lateinisch Caritas und die Gemeinschaft, lateinisch Communio. Erik Soder von Güldenstubbe, Bistumshistoriker
|