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Jedes Jahr freue ich mich auf Ostern. Auf Weihnachten habe ich mich auch immer gefreut. Aber auf Ostern anders. Ostern erlebe ich, wenn ich beim Erwachen des Frühlings durch meinen Garten gehe. Dann denke ich: Das ist doch unglaublich, dass in dieser kurzen Zeit all die Blumen aus der Erde sprießen - gelbe, rote, blaue -, und die Zweige - leuchtend gelb, schneeweiß, zartgrün -, in so kurzer Zeit alle gleichzeitig aufgeblüht sind, und dass die Vögel wieder zwitschern und man morgens davon geweckt wird. Noch vor vier Wochen hatte ich nicht geglaubt, dass aus dieser kalten, trockenen, gefrorenen Erde jemals wieder etwas Lebendiges wachsen würde. Der weggeworfene Müll war das einzig Farbige in der Winterlandschaft. Die Hoffnungslosigkeit der trüben Winterjahreszeit, die Dunkelheit, in der man sich eher einsam fühlt und nicht aus dem Haus geht, die Erkältungskrankheiten im Winter, die einen spüren lassen, dass man nicht mehr so kann, wie man will. Alles ist plötzlich, wenn die Sonne wieder wärmt, wie durch ein Wunder Vergangenheit. Dann kann ich mir wieder vorstellen, wie es sich im Sommer lebt: unbelastet, fröhlich, hoffnungsvoll. Ich mache Pläne, habe Ziele, die mir wichtig sind, habe vitale Gefühle, freue mich auf Feste, die ich mit anderen feiere. Dieser Gefühlsumschwung vom Winter zum Frühling wurde in allen Kulturen immer schon gefeiert. Bei uns werden Eier versteckt. Das Ei ist seit alters her das am meisten verbreitete Lebenssymbol. Es steht in Schöpfungsmythen auf der ganzen Welt für die Neuwerdung des Lebens. Die Osterfeuer sind übrig geblieben aus den germanischen Frühlingsfesten zu Ehren der Göttin Ostara, der Göttin des aufgehenden Lichtes. Die Osterfeuer sollten den Winter verbrennen, die Jahreszeit der gefrorenen Erde, der gefrorenen Gefühle, der Einsamkeit in geschlossenen Räumen, Kälte, Dunkelheit, Bedrückung und Tod. Dies alles verbinde ich mit Ostern. Es erinnert mich an die Wurzeln meines christlichen Glaubens. Solche Gefühle hatten auch die Menschen, die erzählten, sie wären Jesus begegnet, nachdem er gestorben war. So erzählt es die Bibel: Die gläubigen Jünger waren nach dem Scheitern ihres Meisters Jesus - nach der Kreuzigung mit anderen Verbrechern - in Hoffnungslosigkeit verfallen. Sie fühlten die Einsamkeit der Zurückgebliebenen, hatten die Nutzlosigkeit ihres bisherigen Lebens vor Augen, und jetzt plötzlich erkannten sie: Er ist nicht unwiederbringlich tot. Er lebt - mit und durch uns. Wir leben mit ihm und seiner und unserer Sache weiter. Die Depression ist vorüber. Der Durchbruch, die Hoffnungen und Ziele sind zurückgewonnen und neu geschenkt. Energie und Lebensfreude ist spürbar. Sie nannten es Auferstehung. Ein Grund für Christen, seit 2000 Jahren dieses Fest zu feiern. Und gibt es dafür einen besseren Zeitpunkt im Jahr als zu Ostern? Ihr Diakon Dirk Rothmann
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