Unser Waldlabyrinth Das Leben ist ein beständiges Gehen im Labyrinth. Ankommen und Aufbrechen. Zur Mitte finden und sie wieder verlassen. Sich wenden müssen und doch immer weiterkommen. Wenn von einem Labyrinth gesprochen wird, denken viele unwillkürlich an Heckenirrgärten in englischen Parks oder "Such den richtigen Weg"-Spiele in Zeitschriften. Ein Labyrinth ist jedoch in den seltensten Fällen ein Irrgarten, sondern meistens führt ein ebenerdiger Weg zur Mitte ohne Abzweigung. Das klassische Labyrinth ist ein Ursymbol der Menschheit. Man findet es auf 3000 Jahre alten kretischen Münzen, bei den Römern, bei den seefahrenden Völkern des Nordens, in Indien und sogar bei einigen Indianerstämmen in Nordamerika, am häufigsten und vielfältigsten jedoch in unserer eigenen mitteleuropäischen christlichen Kultur, vor allem in Handschriften und Kirchen, als Bodenmosaike oder Rasenlabyrinthe. In unserer zeit wird die Faszination der Labyrinthe wieder entdeckt und an vielen unterschiedlichen Orten werden neue Labyrinthe gebaut.
|
|
| Kretisches Labyrinth mit 7 Umgängen, konzentrischer Aufbau |
|
Das Labyrinth ist ein Rätsel. Es ist das All und die Welt, das Leben des Menschen und der Schoß der Mutter Erde, die Pilgerfahrt, der Tod und die Geburt, der Weg zu sich selbst und der Weg zu Gott. Das Labyrinth ist ein Ein-kehr-weg, in dem man sein Leben bedenken kann. Die Bögen und Wendungen sind wie ein Spiegel der eigenen Lebenswendungen. In der christlichen Form durchzieht das Kreuz alles, der Weg wird von ihm überall berührt und getragen. Wer nicht aufgibt, erreicht die Mitte. Dort angelangt, muß der Besucher seine Richtung ändern. Das Labyrinth ist ein Bild für die Grundhoffnung des Christentums: Jeder, der bereit ist, darf in seinem verschlungenen, verwirrenden Leben umkehren, neu anfangen und letzlich auferstehen.Für das Waldlabyrinth wurde die klassische Labyrinthform ausgesählt. Das Labyrinth sollte jedoch eine große Mitte haben. Um dies zu erreichen, wurden die sieben Umgänge als konzentrische Kreise gezeichnet.Diese Art des Labyrinthes kommt dem Bedürfnis vieler Menschen entgegen, sich in der Mitte länger aufzuhalten, oder auch gemeinsam mit anderen in der Mitte zu verweilen. Das Waldlabyrinth wurde mit großen Steinen, die zu ca. 40 cm hohen Mauern geschichtet wurden, gelegt. Die bestehenden Bäume wurden integriert. Die erste historische Abbildung eines solchen Labyrinths stammt aus der Pergamenthandschrift, die um 850 n. Chr. in einem Kloster bei St. Gallen geschrieben wurde und nun im Vatikan in Rom aufbewahrt wird.
Der Platz des Labyrinthes hat eine besondere Ausstrahlung. Es ist ein angenehmer, freundlicher Ort, an demman sich gerne aufhält. Er ist leicht zu erreichen und doch abgeschlossen und geborgen. Das Labyrinth ist mit der Hangneigung ausgerichtet, darüber hinaus weist seine Achse genau auf den Eingang zum Kloster. Bereits während des Bauens hat uns überrascht, wie sich die Bäume in das Labyrinth integrieren. 17 von 19 stehen genau auf den Begrenzungslinien. Der erste, der in der Mitte des Weges steht, hat eine Türfunktion. Er ist wie eine Frage an den Besucher, der eingetreten ist, ob er das Labyrinth nun wirklich durchschreiten will. Die Laubbäume stehen alle etwa 10 cm neben den Steinen, denn sie haben eine empfindliche Rinde. Neun verschiedene Menschen haben die Steine gelegt und manchmal lassen sich die Unterschiede gut erkennen, sowie es auch immer wieder verschiedene Phansen im Leben sind, die wir durchschreiten. Der innerste Begrenzungsring wurde so gebaut, daß man auf ihm wie auf einer Steinbank sitzen kann. Die Gestaltung der Mitte selbst ist variabel. Manchmal steht ein Baumstumpf darin, machmal ein Tisch, machmal ist sie leer.
|