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Einwöchiges Augustinus-Seminar: Selbsterkenntnis und Gottsuche. ‹Confessiones› 10.

Die neue Reihe von Augustinus-Seminaren in Kloster Weltenburg wird im Jahr 2001 mit der Betrachtung des zehnten Buches der ‹Confessiones› unter dem Thema «Selbsterkenntnis und Gottsuche» fortgesetzt. Wegen des Umfangs dieses Buches beschränkt sich die Lektüre auf seine erste Hälfte (1-39). Das Seminar beginnt mit Einführungsvorträgen von Cornelius Mayer und Norbert Fischer. Cornelius Mayer wird zudem die Christologie Augustins, die am Ende des zehnten Buches hervortritt, in einem Vortrag entfalten. Das Seminar wird - wie das Seminar zu Augustins Frage nach der Zeit im vergangenen Jahr - durch Konzerte und Exkursionen ergänzt. Das detaillierte Programm wird im ersten Quartal des Jahres 2001 erstellt und versandt.

Nachdem Augustinus in den ersten neun Büchern der ‹Confessiones› seinen Weg der Gottsuche durch Erzählungen vergegenwärtigt hat, fragt er im zehnten Buch, wer er selbst in seinem Inneren sei (‹quis ipse intus sim?›). Nach vielen Hindernissen und Umwegen ist er schließlich zur Gewissheit gelangt, Gott als Herrn der Schöpfung loben und sogar lieben zu können. Gleichwohl gesteht er sich ein, nicht zu wissen, was er liebt, wenn er Gott liebt (‹quid autem amo, cum te amo?›). Da­mit beginnen die Untersuchungen des zehnten Buches, die den bis heute spannend gebliebenen Fragen der Selbsterkenntnis und der Gottsuche gewidmet sind. Im Kontext einer Analyse seines Bewusstseins (‹conscientia›), seines Gedächtnisses (‹memoria›), fragt Augustinus, wie er Gott als das Glück seines Lebens gefunden habe. Er durchforscht sein eigenes Sein bis zu seiner höchsten Kraft und sieht am Ende, daß er auch diese Kraft noch übersteigen muß, um zum Ziel seines Suchens gelangen zu können (‹transibo et hanc uim meam, quae memoria uocatur›). Am Ende sieht er, daß Gott sich nicht wie ein entlegener Gegenstand der Wissenschaft durch intensive Forschung finden läßt; er sieht, daß Gott nur erkannt werden kann, wenn Gott selbst sich zu erkennen gibt, wenn auch Gott sucht und den Menschen in die Beziehung zu ihm ruft.

Wegen der großen Beachtung, die das zehnte Buch durch Martin Heidegger gefunden hat, werden zuweilen auch Texte von Heidegger herangezogen (insbesondere: «Phänomenologische Interpretation von Confessiones Liber X»; in: Gesamtausgabe, Band 60; Frankfurt am Main: Klostermann, 1995). Herr Professor Dr. Friedrich-Wilhelm von Herrmann (Freiburg), der Herausgeber der Heidegger-Gesamtausgabe, wird den Festvortrag am 28. August 2001 halten.

Zur Vorbereitung und Begleitung des Seminars dient wiederum der von Norbert Fischer und Cornelius Mayer herausgegebene Band: Die Confessiones des Augustinus von Hippo. Ein­führung und Interpretationen zu den dreizehn Büchern. Freiburg: Herder, 1998.

Zu den Seminarleitern:

Prof. Dr. Norbert Fischer, geb. 1947, Studium in Mainz und Freiburg (Philosophie, Theologie, Germanistik); Promotion und Habilitation in Philosophie in Mainz; Professuren für Philosophie in Mainz, Trier und Paderborn; seit 1995 an der Katholischen Universität Eichstätt. Buchveröffentlichungen u.a.: Die Transzendenz in der Transzendentalphilosophie (1979); Augustins Philosophie der Endlichkeit (1987); Die philosophische Frage nach Gott. Ein Gang durch ihre Stationen (1995); Metaphysik aus dem Anspruch des Anderen: Kant und Levinas (1999).

Prof. Dr.Dr. h.c. Cornelius P. Mayer OSA, geb. 1929 in Pilisborosjenö (Weindorf/Ungarn); 1949 Eintritt in den Augustinerorden; Studium der Philosophie und der Theologie in Würzburg; 1955 Priesterweihe; Studium an der Sorbonne und der Haute Ecole in Paris; Promotion und Habilitation in Theologie in Würzburg; 1979 Professor für Systematische Theologie an der Universität Gießen; Herausgeber des Augustinus-Lexikons und des Corpus Augustinianum Gissense (CD-ROM 1995); Veröffentlichungen u.a.: Die Zeichen in der geistigen Entwicklung und in der Theologie des jungen Augustinus, 2 Teile (1969/74); Philosophische Voraussetzungen und Implikationen in Augustins Lehre von den Sacramenta (1972); Die antimanichäischen Schriften Augustins. Entstehung, Absicht und kurze Charakteristik der einzelnen Werke unter dem Aspekt der darin verwendeten Zeichentermini (1974); Signifikationshermeneutik im Dienste der Daseinsauslegung. Die Funktion der Verweisungen in den Confessiones X-XIII (1974); Identität und Ich-Erfahrung nach der Augustinischen Gedächtnislehre. Eine Replik auf die Interpretation der Augustin-Zitate in Martin Walsers Roman „Das Einhorn“ (1983); Prinzipien der Hermeneutik Augustins und daraus sich ergebende Probleme (1985); Die Bedeutung des Terminus „regula“ für die Glaubensbegründung und die Glaubensvermittlung bei Augustin (1992).

Seminarbeginn: Donnerstag, 23. August 2001, 18.00 Uhr Vesper

Seminarende: Donnerstag, 30. August 2001, 14.00 Uhr

Durchführung des Seminars in Zusammenarbeit mit der Kathol. Universität Eichstätt

Veranstaltungen und Lektüreeinheiten

Übernachtungen in Zimmern mit Dusche und WC, einschließlich Verpflegung und Teilnahmegebühr: DM 540,- (Einzelzimmer DM 585,-), Studenten DM 385,-.

Anmeldung und weitere Informationen:

Lehrstuhl für Philosophische Grundfragen der Theologie, Katholische Universität, 85071 Eichstätt; Telephon 08421-931434, Fax 08421-931779; email: norbert.fischer@ku-eichstaett.de.

Heim-Volks-Hoch-Schule der Weltenburger Akademie

Asamstraße 32, Abtei Weltenburg

Pater Leopold Lörnitzo OSB, D-93309 Kelheim

Tel. und Fax: 09441/5911 bzw. Tel.: 09441/204143 oder 204162