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MEDIENBERICHTE ZUR JAHRESVOLLVERSAMMLUNG 2011

Die Tagespost vom 28.07.2011, Seite 6

Plädoyer für die Laienpredigt

Der Würzburger Pastoraltheologe Erich Garhammer befasst sich mit Augustinus. Von Regina Einig


Bürgermeister Dr. Dr. h.c. Adolf Bauer, Domdekan Msgr. Lic. theol. Günter Putz, der Leiter des ZAF Prof. Dr. Dr. h.c. Cornelius Petrus Mayer OSA und Festredner Dekan Prof. Dr. Erich Garhammer (v.l.).
Bürgermeister Dr. Dr. h.c. Adolf Bauer, Domdekan Msgr. Lic. theol. Günter Putz, der Leiter des ZAF Prof. Dr. Dr. h.c. Cornelius Petrus Mayer OSA und Festredner Dekan Prof. Dr. Erich Garhammer (v.l.).
Würzburg (DT) Glaube, Redekunst und wissenschaftliche Bildung bilden den Humus, auf dem fruchtbare Predigten gedeihen: Augustinus von Hippo verkörperte für seine Zeitgenossen außergewöhnliches Predigttalent und Berufung zum Priestertum. Bei der gut besuchten Vollversammlung der Würzburger Gesellschaft zur Förderung der Augustinusforschung am Samstag setzte sich der Pastoraltheologe Erich Garhammer am Beispiel einer Eucharistiepredigt Augustins mit der Predigtkunst des Bischofs von Hippo auseinander. Als Wesensmerkmal des authentischen Predigers im Sinne Augustins hob Garhammer die Übereinstimmung von Wort und Tat hervor. Der Prediger müsse ein Mann des Gebets sein und dürfe nicht nur über Gott reden, sondern müsse mit ihm in einer lebendigen Beziehung stehen. Das Kirchenverständnis des Bischofs von Hippo wollte Garhammer nicht auf die sichtbare, rechtlich verfasste Kirche beschränkt sehen: Ekklesiale Hermeneutik sei bei Augustinus durchaus hintergründig: „Kirche schließt alle ein, die nach der Norm der Demut leben.“

Die Bedeutung der Predigt für den geistlichen Weg des Kirchenlehrers zeigt dessen Biograf: Possidius zufolge waren die Predigten des heiligen Ambrosius in Mailand ausschlaggebend für dessen Bekehrung im Jahr 386. Folgt man der Darstellung des Biografen, so verdankte Augustinus seine Priesterweihe durch Bischof Valerius in erster Linie seiner rhetorischen Begabung. Dass sich Valerius später über die zeitgenössische Praxis, das die Predigt dem Bischof vorbehielt, mit Verweis auf die Gewohnheiten der Kirchen im Osten hinwegsetzte und dem Priester Augustinus gestattete, in Gegenwart des Bischofs in der Kirche zu predigen, bezeichnete Garhammer als einen „in der Predigtgeschichte bis heute kaum gewürdigten Vorgang“. Welchen Erfolg die Homelien Augustins bei den Gläubigen hatten, ist von Possidius überliefert worden. „Bischof Valerius ist nicht nur der Entdecker des Talents von Augustinus, er hat ihm auch in der Kirche von damals trotz anderer Rechtslage einen Ort verschafft“, so Garhammer wörtlich. Ausgehend vom Beispiel des Valerius, das Schule bei anderen Bischöfen machte, zog Garhammer die Linien zur Frage der Laienpredigt aus: Wenn theologisch gebildete Laien die Sprache der Zuhörer besser beherrschten oder besser predigen könnten als Priester, „wäre es nicht an der Zeit, dass sie dann in Anwesenheit der Priester das Evangelium auslegen dürfen?“ fragte Garhammer. Das Wohl der Kirche und der Gläubigen, mit dem Valerius seinerzeit argumentiert hatte, würden es aus seiner Sicht längst nahelegen.

Im Anschluss an den Vortrag überreichte Cornelius Petrus Mayer OSA, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Augustinusforschung und Herausgeber des Augustinus-Lexikons, dem Würzburger Domdekan und Herausgeber dieser Zeitung Günter Putz den ihm gewidmeten Sammelband „Augustinus: Bildung – Wissen – Weisheit“. Dieser jüngste Band der Reihe Cassiciacum Res et signa 39, 8 beinhaltet die im Jahr 2008 beim sechsten Studientag gehaltenen Referate.

Augustinus: Bildung – Wissen – Weisheit. Herausgegeben von Cornelius Mayer und Christof Müller. Cassiciacum 39, 8 – Res et Signa. Augustinus-Studien 8, Würzburg: Augustinus bei Echter, 2011, 168 Seiten, ISBN 978-3-429-04177-9, EUR 25,–

Quelle: www.die-tagespost.de    


Pressestelle des Ordinariates Würzburg – Pressemitteilung vom 28.07.2011

Der „Starprediger“ Augustinus

Jahresvollversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e. V. – Professor Erich Garhammer hält Festrede – Domdekan Günter Putz die Neuerscheinung „Augustinus: Bildung – Wissen – Weisheit“ gewidmet

Würzburg (POW) Eine – zumal angesichts aktueller Affären – interessante Plagiatsdefinition des Kirchenvaters Augustinus hat der Würzburger Pastoraltheologe Professor Dr. Erich Garhammer bei der Jahresvollversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e. V. im Exerzitienhaus Himmelspforten entwickelt: „Ein Plagiator ist also nicht der, der eine Predigt von jemand anderem benutzt, sondern der, der seine Predigt nicht selber lebt.“ Das Wirken des „Starpredigers“ Augustinus von Hippo (354-430) stand im Mittelpunkt der Festrede Garhammers. Dabei stellte er die „Authentizität des Predigers“ als wichtigsten Grundsatz Augustins heraus.

Seine Berufung zum Priester habe Augustinus in erster Linie seinem hervorragenden rhetorischen Talent zu verdanken gehabt; zuvor musste sein „Entdecker“, der greise Ortsbischof Valerius, allerdings erst das anfängliche Widerstreben des schon berühmten philosophischen Schriftstellers überwinden – zum Wohl und Nutzen der Kirche. Mit Nachdruck machte Garhammer auf einen in seiner Brisanz bislang kaum beachteten Aspekt der Predigttätigkeit Augustins aufmerksam. Während nach damals gültiger kirchlicher Vorschrift nur Bischöfe Predigtrecht besaßen, wurde Augustinus aufgrund seiner hervorragenden Kompetenzen bereits als Priester von seinem Ortsbischof Valerius im nordafrikanischen Hippo beauftragt, „in seiner Anwesenheit in der Kirche das Evangelium zu verkündigen und sehr oft auszulegen“. Daraus ergebe sich die Frage, welche Folgerungen diese „kleine Revolution“ der Kirchengeschichte in der heutigen Situation im Blick auf theologisch gebildete Laien zulasse.

Im Anschluss an die mit großem Beifall bedachte Festrede präsentierte der Wissenschaftliche Leiter des Zentrums für Augustinus-Forschung (ZAF), Augustinerpater Professor em. Dr. Cornelius Petrus Mayer, die Neuerscheinung „Augustinus: Bildung – Wissen – Weisheit“, in der die Beiträge des gleichnamigen Augustinus-Studientages aus dem Jahr 2008 dokumentiert werden. Der Band wird mit einer vom emeritierten Redaktor des Augustinus-Lexikons, Dr. phil. Karl Heinz Chelius, in lateinischer Sprache verfassten Widmung an den Würzburger Domdekan Monsignore Günter Putz eröffnet. Mayer dankte Putz anlässlich der Überreichung der Publikation für die bedeutende Förderung des Zentrums durch das Bistum Würzburg und hieß ihn zugleich als neues Mitglied im Kuratorium des Fördervereins willkommen.

In seinem Jahresbericht hielt Mayer Rückschau auf die zahlreichen wissenschaftlichen Aktivitäten des ZAF, unter denen als „Highlights“ der Abschluss von Band 3 des Augustinus-Lexikons und der Augustinus-Studientag zur „Ästhetik bei Augustinus“ hervorragten, insbesondere aber die Privataudienz bei Papst Benedikt XVI. Als nächstes größeres Vorhaben des ZAF kündigte Mayer das für Ende September 2012 geplante römische Symposion „Kampf oder Dialog? Begegnung von Kulturen im Horizont von Augustins De civitate dei“ an. Außerdem gab es bei der Mitgliederversammlung mehrere personelle Veränderungen. In das Kuratorium der Gesellschaft wurde neben Putz der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick neu aufgenommen. In den Vereinsvorstand hinzugewählt wurden Professor Dr. Dieter Salch, Privatdozent DDr. Josip S. Bill und Privatdozent DDr. Christof Müller. Dr. Gottfried Schwabe, der als ein „Mann der ersten Stunde“ dem Vorstand über 30 Jahre angehörte, wurde mit Dank und Beifall verabschiedet.

Die nächste Jahresvollversammlung der Gesellschaft findet am 23. Juni 2012 statt. Seit 1979 unterstützt sie als Förderverein das von Mayer initiierte und herausgegebene Augustinus-Lexikon sowie die daraus hervorgegangenen Projekte, die heute unter dem Dach des ZAF firmieren. Zu ihren annähernd 300 Mitgliedern zählen zahlreiche namhafte Persönlichkeiten, an erster Stelle Papst Benedikt XVI. – bis zu seiner Wahl auf den Stuhl Petri –, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, der Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann und viele weitere Repräsentanten aus dem kirchlichen, akademischen und politischen Raum. Der Förderverein steht allen Interessierten – sowohl Personen als auch Institutionen – für eine Mitgliedschaft offen. Weitere Informationen unter www.augustinus.de.

Quelle: pow.bistum-wuerzburg.de