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Corpus Augustinianum Gissense a Cornelio Mayer editum

CAG 1
Die Entstehungsgeschichte der CD-ROM

Die erste vollständige augustinische Wortkonkordanz

Als Arbeitsinstrument für Autoren und Redaktoren des Augustinus-Lexikons wurde noch vor der Redigierung der ersten Faszikel mit Hilfe des Rechenzentrums der Universität Würzburg die erste vollständige augustinische Wortkonkordanz sozusagen aus dem Boden gestampft. Der zwischen den Jahren 1981 und 1983 auf Datenträger gespeicherte und jederzeit abrufbare Wortformenindex informiert nicht nur schnell und zuverlässig über sämtliche Stellen eines gesuchten Wortes im Gesamtwerk Augustins, er vermag darüber hinaus zu jeder dieser Stellen auch ein gewünschtes Maß an Kontext zu liefern, so daß die Autoren des Lexikons anhand des Kontextes zugleich etwas über die Relevanz einer Stelle für die Abfassung ihrer Artikel ersehen können.

Die Erstellung des seinerzeit 5 025 827 Wortformen umfassenden Indexes kostete die Redaktion entsagungsvolle zwei Jahre intensiver Arbeit. Die Resonanz, die der Index in der Fachwelt auslöste, übertraf alle Erwartungen. Hunderte Von Anfragen aus aller Welt erreichten die Redaktion in Würzburg und Gießen. "As I work on my commentary on the Confessions",

schrieb James J. O'Donnell, Klassischer Philologe in den USA, "I'am aware every day of the immense potential value of the KWIC-Index: you have created the most important and useful new tool for Augustine scholars since Amerbach's edition", und: "That is the 'margarita pretiosa'that you possess, and the miracle of our time is that, like divine grace, it can be given endlessly with non diminution to the one who possesses it."

Das Gießener CAG-Projekt

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hatte 1981 zur Herstellung der EDV-Wortkonkordanz nur begrenzte Mittel, rund eine halbe Million DM, zur Verfügung gestellt. Hinzu kam eine zeitliche Limitierung auf zwei Jahre. So konnte nur das Allernotwendigste in den Computer eingespeichert werden. Daraus ergaben sich drei weitere Aufgaben, die an der Justus-Liebig-Universität Gießen von wissenschaftlichen und studentischen Hilfskräften in Zusammenarbeit mit dem dortigen Hochschulrechenzentrum bewältigt wurden.

Die unerläßliche Textpflege

Die Auswertung des EDV-Textes findet ihre Grenze in der Vollständigkeit und Fehlerfreiheit der ihr zugrundeliegenden Schriften. Aus diesem Grunde ist die Textpflege eine zentrale und wohl auch permanente Aufgabe der Augustinus-Forschung. Dem 1983 erstellten EDV-Text liegen unterschiedliche, auch unkritische Editionen zugrunde. Erschien seitdem in einer kritischen Edition ein neuer Text - bei 18 Werken, 2 Briefen und über 100 Predigten war dies bisher der Fall -, so wurde der unkritische ersetzt. Selbstverständlich wurden auch die 1990 in Mainz aufgefundenen 26 Predigten samt der jüngst in Heidelberg gefundenen in das CAG integriert. Der Gießener EDV-Text bemüht sich bis in die Seiten- und Zeilennumerierung hinein um Editionstreue. Lediglich eindeutige Textfehler, auch Seiten- und Zeilennumerierung betreffende, wurden korrigiert. Des weiteren wurden die Schriften Augustins möglichst in der Reihenfolge ihrer Entstehung geordnet. Sie bieten somit einen Einblick in die Entstehung und gegebenenfalls auch in den Wandel einiger augustinischer Begriffe.

Die Zitatauszeichnung

In bezug auf die zahlreichen Zitate gab der 1983 geschaffene augustinische EDV-Text mittels eines neunstufigen Schemas nur darüber Auskunft, ob ein Zitat der Bibel, der Schrift eines anderen Autors oder einer früheren Augustin-Schrift entnommen ist. In den Jahren 1993 und 1994 wurde jeder von der Edition als Zitat gekennzeichnete Text auf seine Herkunft hin überprüft und mit detaillierten Quellenangaben versehen. Der Gießener Text gibt folglich exakt Auskunft über die Quelle der jeweiligen Zitate, z.B. Rm 5,5 oder Cic. Hort. frg. 107 Grilli. Wieder ermöglichen die weithin chronologisch geordneten Texte einen Einblick auch in die Bedeutung einzelner Autoren oder Bibelstellen zu bestimmten Zeiten der geistigen Entwicklung Augustins.

Die Lemmatisierung des Wortformenindexes

Bereits bei der Herstellung des Wortformenindexes tauchte die Frage nach dessen Vervollständigung durch eine sogenannte Lemmatisierung (Zuordnung der aktuell vorkommenden Wortformen zu ihrer jeweiligen Grundform: Nominativ bei Substantiven, 1. Person Singular Präsens Aktiv bei Verben) auf. Sie wurde von namhaften Philologen empfohlen und im Jahre IC)87 in Angriff genommen. Um das Projekt möglichst zügig voranzutreiben, wurden auf der Lemmaebene bestimmte Beschränkungen und gewisse philologische Unschärfen in Kauf genommen (Roh-Lemmatisierung); so wurden z.B. substantivierte Adjektive oder adjektivische Partizipien im allgemeinen den zugehörigen Adjektiven bzw. Verben zugeordnet. Die Arbeit erfolgte zu etwa 75% automatisch über ein Computer-Programm, doch konnten zahlreiche Homographen (Wörter gleicher Schreibweise, aber verschiedener Bedeutung) nur durch fundierte Einzelentscheidungen von Philologen bewältigt werden. Dank dieses zeit- und kostenintensiven Arbeitsschrittes wird dem Benutzer der Gießener Augustin-Texte nunmehr die Möglichkeit eröffnet, ohne aufwendige Rücksichtnahme auf die verschiedenen Flexionen oder auf mögliche Homographen den gewünschten - und nur den gewünschten - Begriff in allen seinen vorhandenen Formen zu finden. Schließlich vermeidet die Unterscheidung von Groß- und Kleinschreibung die Verwechslung von Benennungen und Eigennamen (z.B. maria/Maria).