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Rezension ‹Spiritus et Littera›
Mehr als ein guter akademischer Brauch
Die Cornelius Petrus Mayer OSA anlässlich seines 80. Geburtstags gewidmete Festschrift ‹Spiritus et Littera› (hrsg. von Christof Müller, Andreas E.J. Grote und Guntram Förster) erfährt in der Fachwelt weiter positives Echo. Mit freundlicher Genehmigung von Brill Academic Publishers veröffentlichen wir im Wortlaut eine Rezension von Görge K. Hasselhoff, erschienen in der renommierten ‹Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte›.

Guntram Förster/Andreas E. J. Grote/Christof Müller (Hg.): Spiritus et Littera. Beiträge zur Augustinus-Forschung. Festschrift zum 80. Geburtstag von Cornelius Petrus Mayer OSA (= Cassiciacum. Forschungen über Augustinus und den Augustinerorden 39, 6), Würzburg: Augustinus bei Echter, 2009, XCIV + 825 S.

Dass ein verdienter Wissenschaftler eine Festschrift erhält ist ein guter akademischer Brauch, der dennoch nicht jedem zuteil wird. Wenn einem Wissenschaftler mehr als eine Festschrift dargebracht wird, lässt das aufmerken. Wenn es die sechste Festschrift ist (vgl. LX) und zudem selbst der Papst ein Grußwort beisteuert, lässt das erst recht aufhorchen.

Der Geehrte ist neben anderem der Initiator und Mitherausgeber des Augustinus-Lexikons und seit über 40 Jahren an der Augustinusforschung aktiv beteiligt, und so verwundert es nicht, dass die vorliegende Festschrift ganz der Augustinusforschung gewidmet ist. Die Herausgeber haben sich dabei auf eine Zweiteilung der Beiträge eingelassen, die einem einfachen Prinzip folgt: In jeweils alphabetischer Reihenfolge der Verfassernamen wird im ersten Teil „Augustinus und seine Zeit“ in den Blick genommen (23 Beiträge), im zweiten dagegen „Augustinus und die Folgezeit“ (siebzehn Beiträge). Diese Anordnung hat zwar den Vorteil, dass sich kein Beitragender „zurückgesetzt“ fühlen muss, hat aber eine fehlende Systematik zur Folge, die bei einem so gehaltvollen Buch wie dem vorliegenden, das zudem auf ein Register verzichten muss, einen bedauerlichen Mangel darstellt. So stehen beispielsweise die Artikel von Ernst Dassmann und Hans van Reisen mehr als 250 Seiten auseinander; beide vergleichen jedoch Aspekte der Lehren von Ambrosius und Augustin miteinander. Oder die Frage nach dem freien Willen und dem Bezug zu Julian von Aeclanum beschäftigt gleich mehrere Autoren (u.a. Mathijs Lamberigts, Thomas Gerhard Ring, James Wetzel im ersten, Michaela Zelzer im zweiten Teil), die Einheit muss jedoch gesucht werden. Ganz zu schweigen vom zweiten, wirkungsgeschichtlichen Teil, in dem jegliche zeitliche oder inhaltliche Systematik verloren geht. Darüber droht, dass Perlen wie der Beitrag von Johannes Hellebrand („Augustinus als Richter“), Christian Overstolzens Studie „‚Bach meets Augustinus‘. Inkarnation und ‚dispensatio temporalis‘ in der A-Dur-Fuge von Teil des Wohltemperierten Klaviers“ oder die philologische Studie von Wolfgang Hübner („Indiculum oder Indiculus“) verloren gehen.

Neben anderem eine Reihe Grußworte, eine Bibliografie der Werke Mayers, eine fast 500 Namen umfassende Tabula gratulatoria, ein Abkürzungsverzeichnis der Werke Augustins und ein Verzeichnis der Beiträgerinnen und
Beiträger runden den Band ab.

Dem Jubilar gereicht das zu noch größerer Ehre.

Mülheim a. d. Ruhr

Görge K. Hasselhoff

© ‹Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte. Journal of Religious and Cultural Studies›  Band 63 (2011), Seite 303

Wir danken dem Verlag Brill Academic Publishers (Leiden/Niederlande) für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung in unserem Webportal.

Veröffentlicht: 29.03.2012 ZAF
Weiterführende Links:
‹Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte›
«Hochwertig, provokativ, lesenswert» - Rezension in: ‹Augustinian Studies› (Frederick Van Fleteren)
«Göttliche Gnade und menschliche Freiheit» - Rezension in: ‹Die Tagespost› (Harm Klueting)