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Die Entstehungsgeschichte

Augustinus beim Schreiben Initiale aus dem 15. Jh.
Augustinus beim Schreiben Initiale aus dem 15. Jh.

Gerade weil die Augustinus-Forschung am Ende dieses Jahrtausends einerseits ein so ungewöhnlich hohes Maß an Expansion und Spezialisierung erfahren hat, andererseits aber der Fachmann die ins Uferlose anwachsende Literatur nicht mehr überschaut, bestand ein Bedürfnis, zum augustinischen Werk neue Zugänge zu eröffnen.

So entstand Mitte der siebziger Jahre das Konzept des Augustinus-Lexikons, eines internationalen geistes-wissenschaftlichen Langzeitprojektes.

In den Jahren 1976 bis 1978 traf sich ein internationaler Stab von Fachgelehrten unter der Leitung von Cornelius Mayer in den Räumen des Augustinus-Instituts der Deutschen Augustiner in Würzburg, um die Kriterien eines Augustinus-Lexikons zu diskutieren. Dabei wurde eine Liste von 1200 lateinischen, den Schriften Augustins entnommenen Lemmata aufgestellt, die einzelnen Artikelstichwörter gewichtet, der Umfang des Lexikons auf etwa fünf Bände zu je acht Faszikeln berechnet und ein Zeitplan veranschlagt. Der zunächst bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingereichte Antrag auf Förderung des Projektes wurde von dieser im Dezember 1978 bewilligt.

Signet des Petri-Verlags (1527, später Schwabe), der die erste gedruckte Augustinus-Gesamtausgabe herausbrachte
Signet des Petri-Verlags (1527, später Schwabe), der die erste gedruckte Augustinus-Gesamtausgabe herausbrachte

Mit der Veröffentlichung wurde 1979 der Verlag Schwabe & Co. AG in Basel betraut. Die Artikel des Augustinus-Lexikons verdanken ihre in allen Rezensionen gerühmte hohe Qualität neben der anerkannten Kompetenz der Autoren sowie der mustergültigen redaktionellen Betreuung auch einem Arbeitsinstrument, das mit Hilfe des Rechenzentrums der Universität Würzburg noch vor der Redigierung der ersten Faszikel sozusagen erst aus dem Boden gestampft werden mußte, der ersten vollständigen augustinischen Wortkonkordanz.
Eingabe der Artikel in den Computer  durch den Terminal in den Gießener Arbeitsräumen
Eingabe der Artikel in den Computer durch den Terminal in den Gießener Arbeitsräumen
Der zwischen den Jahren 1981 und 1983 auf Datenträger gespeicherte und jederzeit abrufbare Wortformenindex informiert nicht nur schnell und zuverlässig über sämtliche Stellen eines gesuchten Wortes im Gesamtwerk Augustins, er vermag darüber hinaus zu jeder dieser Stellen auch ein gewünschtes Maß an Kontext zu liefern, so daß die Autoren des Lexikons anhand des Kontextes zugleich etwas über die Relevanz einer Stelle für die Abfassung ihrer Artikel ersehen können. Die Erstellung des seinerzeit 5 025 827 Wortformen umfassenden Indexes kostete die Redaktion entsagungsvolle zwei Jahre intensiver Arbeit. Die Resonanz, die der Index in der Fachwelt auslöste, übertraf alle Erwartungen. Hunderte von Anfragen aus aller Welt erreichten die Redaktion in Würzburg und Gießen. "As I work on my commentary on the Confessions", schrieb James J. O'Donnell, Klassischer Philologe in den USA, "I am aware every day of the immense potential value of the KWIC-Index: you have created the most important and useful new tool for Augustine scholars since Amerbach's edition", und: "That is the 'margarita pretiosa' that you possess, and the miracle of our time is that, like divine grace, it can be given endlessly with non diminution to the one who possesses it".

Papst Johannes Paul II. erhält bei seinem Kongreßbesuch (International Congress of Augustinian Studies, 15.-20.9.1986, Rom) am 17.9 aus der Hand des Herausgebers, Prof. Dr. theol. Dr. h.c. Cornelius Mayer, Gießen, den ersten Doppelfaszikel des Augustinus-Lexikons
Papst Johannes Paul II. erhält bei seinem Kongreßbesuch (International Congress of Augustinian Studies, 15.-20.9.1986, Rom) am 17.9 aus der Hand des Herausgebers, Prof. Dr. theol. Dr. h.c. Cornelius Mayer, Gießen, den ersten Doppelfaszikel des Augustinus-Lexikons
Von 1979 bis Ende 1989 wurde das Augustinus-Lexikon von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziell gefördert. Als Langzeitprojekt sollte es nach dem Bund- und Länderabkommen einer Akademie zugeführt werden. Die geistes- und sozialwissenschaftliche Klasse der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz erklärte sich auf ihrer Sitzung am 7. November 1985 bereit, das Projekt zu betreuen und in die Gemeinschaftsfinanzierung von Bund und Ländern zu überführen. Nach Übernahme des Länderanteils durch den Freistaat Bayern erfolgte die Überführung am 1.1.1990.

Im Jahr 2006 erreichte das Augustinus-Lexikon mit der Publikation des Doppelfaszikels 3,3/4 die Hälfte seines vorgesehenen Umfangs. Mittlerweile liegt ein weiterer Doppelfaszikel (3,5/6) vor. Dieser wurde am 19. Mai 2009 dem Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann überreicht. Im Rahmen einer Feier im engeren Kreis in den Räumen der Redaktion des Augustinus-Lexikons wurde der neue Faszikel von Herausgeber Prof. Dr. Cornelius Mayer, Redaktor Dr. Andreas E.J. Grote und Verlagslektor Dr. Reto Zingg vorgestellt (Rede des Redaktors).