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Der Psalter als Gebet der Kirche

Homilie zur Vesper am 12.10.2005

Cornelius Petrus Mayer OSA

Sieht man vom Vater unser-Gebet, das der Herr seine Jünger lehrte, und von einigen Hymnen des Neuen Testamentes wie dem soeben gesungenen Christus-Hymnus aus dem Philipperbrief ab, dann ist der Psalter das Gebet der Kirche.

Nun stehen die Psalmen nicht im Neuen, sondern im Alten Testament. Die Kirche hat sie aber sozusagen von ihren Anfängen an auf Ereignisse hin gebetet, die sie in ihren gottesdienstlichen Feiern verkündet. Das ist also der Verstehenshorizont, innerhalb dessen wir die Psalmen beten sollen.

Da heißt es z. B. im Psalm 127 (126): «Wenn der Herr nicht das Haus baut, mühen die Bauleute sich umsonst». Die frühen Christen erblickten in diesem Vers den Kern des Evangeliums gleichsam auf den Nenner gebracht. Denn das Haus, das da gebaut wird, was ist es anderes, wenn nicht die Kirche, und die Kirche wiederum, was ist sie anderes, wenn nicht Christi Leib. Infolgedessen ist es der Herr selbst, der durch sein Erlösungswerk, durch seinen Kreuzestod und seine Auferstehung dieses sein Haus baut. Darin gründet und gipfelt zugleich das Evangelium (siehe die Auslegung Augustins zu diesem Psalm in Enarrationes in Psalmos 126,2-3).

Schon lange, bevor es den Begriff Evangelium im technischen Sinn für die Bezeichnung unserer vier Evangelien gab, bezog die Kirche dieses Wort so gut wie ausschließlich auf Christi Person und Werk.

So beginnt der Apostel Paulus seinen vielgerühmten Brief an die Gemeinde von Rom mit dem vielsagenden Bekenntnis – wir haben den Text soeben vernommen –, er sei «auserwählt, das Evangelium Gottes zu verkündigen, das er (Gott) durch seine Propheten im voraus verheißen hat in den heiligen Schriften, das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn» (Röm 1,2-4).

Die Kirche verkündet in den Lesungen der eucharistischen Feiern dieser und der kommenden Wochen den Römerbrief. Es kann den aufmerksamen Hörern nicht entgangen sein, dass bereits in den ersten Versen des Briefes das Wort Evangelium dreimal vorkommt: Das Evangelium ist als solches Gottes frohe Botschaft, und es ist zugleich frohe Botschaft von seinem Sohn, dem Mensch gewordenen, dem gekreuzigten und dem verherrlichten Jesus Christus, unserem Herrn.

Wie in einer guten Ouvertüre schon all das anklingt, was in der Oper zu hören sein wird, so deutet der Apostel mit dieser Einleitung seines Briefes bereits dessen Inhalt an. Worum geht es da? Um es in aller Kürze zu sagen, um die Rettung des Menschen.

Der Römerbrief ist gewiss keine leichte, aber eine ungemein faszinierende Lektüre – faszinierend deshalb, weil jedermann sich darin wie in einem Spiegel vor Gott erkennen kann und erkennen soll. Was gehört zu dieser Selbsterkenntnis? Zunächst, dass jeder ohne Ausnahme Sünder ist. In einer Kaskade von Bibelsätzen, vorzüglich dem Psalter entnommenen, zeigt der Apostel, «dass es keinen gibt, der gerecht ist, auch nicht einen» (Ps 14,1).

Aus dieser fundamentalen Einsicht folgt das Wissen um die Erlösungsbedürftigkeit eines jeden. Und dann kommt im Römerbrief Gott ins Spiel – Gott, der ausschließlich und allein aus dem ‹Sünder› einen ‹Gerechten› zu machen vermag.

Gott tut dies aber nicht billig, nicht indem er zweimal zwei fünf sein lässt. Nein, der Preis dieses ‹Gerechtmachens› ist groß – es ist der Preis der Hingabe seines Sohnes. «Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt» (4,25). Dies also ist in aller Kürze die Summe des Evangeliums, der Kern des christlichen Glaubens.

Inmitten seiner Argumentation bricht der Apostel immer wieder auch in Jubel, in die eigentliche Grundstimmung des Christen aus wie im Kapitel 5 dieses Briefes, mit dem ich meine Homilie beschließen will:

«Gerecht gemacht aus Glauben haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir auch Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung, mit der wir der Herrlichkeit Gottes entgegengehen. Mehr noch: wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist» (5,1-5).

Vielleicht noch ein Letztes: Wann immer es in der Kirche im Laufe ihrer Geschichte mit dem Glauben bergab ging, da war es stets die Besinnung auf die Verkündigung des Evangeliums aus dem Römerbrief, die die Wende brachte.

Warum das so ist? Die Antwort darauf ist einfach: Weil es im Römerbrief um die Substanz des Christentums schlechthin geht.