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AUGUSTINUS – SCHULE UND ERZIEHUNG

Hildesheim, am 21.06.2004

Cornelius Petrus Mayer OSA

Gestatten Sie mir zwei kurze Vorbemerkung zu meinem Referat: Augustinus – Schule und Erziehung.

1. Das dem Latein entstammende Wort ‹Schule› hat nach dem Wörterbuch der deutschen Gegenwartsprache (wie übrigens schon im Latein) mehrere Bedeutungen: Es kann damit die Lehranstalt gemeint sein, das Schulgebäude, die Gesamtheit der Lehrer und Schüler, eine künstlerische oder wissenschaftliche Richtung, der Titel bestimmter Lehrbücher und nicht zuletzt der erteilte Unterricht bzw. die erteilte Unterweisung. In meinem Vortrag geht es um diese letztgenannte Bedeutung.

2. In der Antike hatte der Unterricht mehr als in der Moderne zugleich das ethische Verhalten der Schüler zum Ziel. In diesem Sinne war die Unterweisung stets auch Erziehung. Der Lehrer sollte immer Erzieher sein: Erzieher durch Sprache, durch Musik, durch Mathematik etc. etc. Wie dies zu bewerkstelligen ist, auch dies zeigt Augustinus.

Werde ich nach empfehlenswerter Lektüre über Augustinus gefragt, so antworte ich ohne zu zögern: Augustinus der Seelsorger. Leben und Wirken eines Kirchenvaters von Fritz van der Meer. Dieses fast 800 Seiten umfassende, Augustins Alltag mit der ganzen Fülle pastoraler Verpflichtungen abdeckende, ungemein informative und deshalb auch faszinierende Werk ist 1946 erschienen und wurde schon bald darauf in beinahe alle europäischen Sprachen übersetzt.

Gebildete kennen Augustin in der Regel als den Verfasser epochaler Werke, mit denen der Kirchenvater auf die Kultur des christlichen Abendlandes einwirkte, Die Bekenntnisse etwa oder Der Gottesstaat oder Der dreieinige Gott. Die bischöfliche Cathedra, bemerkt van der Meer, sei dem Seelsorger jedoch wichtiger gewesen als der Schreibtisch.

Nun hat Augustinus sich beruflich keineswegs auf die Seelsorge, sondern auf die Schule vorbereitet. Bis zu seiner Bekehrung zum katholischen Glauben im Jahre 386 war er ein Mann der Schule, Pädagoge, Didaktiker, Erzieher. Somit steht zu vermuten, dass es primär seine erzieherischen Fähigkeiten waren, die er in die Seelsorge mit einbrachte: auch als Bischof blieb er Lehrer und Erzieher seiner Diözese.

Unter den Schriften Augustins befindet sich ein kleines Büchlein mit dem Titel De disciplina christiana - Über die christliche Disziplin[1]. Das vom Verb ‹discere-lernen› abgeleitete Nomen ‹disciplina› bedeutet ‹Belehrung, Unterweisung, Unterricht, Zucht›, also intellektuelle wie moralische Erziehung. Das Büchlein beginnt mit dem Bibelzitat aus Sirach 51, 36. 31: «Nehmt Belehrung an im Haus der Lehre». «Das Haus der Lehre», so fährt der Text bei Augustinus weiter, «ist die Kirche Christi. Was lernt man hier und warum lernt man? Wer sind die Lernenden und von wem lernen sie?»

Diese wenigen Sätze zeigen schon, dass Augustinus sein Amt in der Kirche vorzüglich als Vermittlung christlicher Bildungsstoffe verstanden wissen wollte. Es gibt da in seinem Werdegang bei allem Wandel bzw. Wechsel in seiner Biographie eine auf die Notwendigkeit der Vermittlung von Lehr- und Bildungsstoffen, also eine auf den Unterricht und auf die Erziehung hin feststellbare Kontinuität. Ich denke, beides, den Wandel und die Kontinuität gilt es zu sehen, wenn man der Person und dem Werk Augustins gerecht werden will.

*

Wenden wir uns zunächst dem Bildungsgang des vor 1650 Jahren am 13. November 354 geborenen Augustinus zu. Ich beziehe mich dabei vorzüglich auf die Bekenntnisse, sofern sie autobiographische Stoffe verarbeiten[2]. Augustins Vater Patricius[3] ließ dem Sohn eine klassische Ausbildung[4] zuteil werden. Trotzdem blieb sein Einfluss auf die geistige Entwicklung des Sohnes geringer als der Monnicas, der Mutter, die als gläubige Katholikin ihre nicht getauften Kinder christlich erzog.

Seinen Elementarunterricht, Lesen, Schreiben und Rechnen, erhielt der Knabe in der Geburtsstadt Thagaste. Er litt unter dem Zwang des gebetsmühlenartig erteilten Unterrichts und hasste alles Griechische[5]. Später bedauerte er diese Lücke in seiner Ausbildung, denn viele Gebildete seiner Zeit sprachen fließend griechisch[6]. Umso inbrünstiger liebte er die lateinische Sprache Er besaß ein empfindsames Gemüt. Es war ihm ein Leichtes, seine Empfindungen bei schulischen Aufführungen auf die Zuschauer zu übertragen. Nicht zuletzt in bezug auf diese schon früh zutage getretenen rhetorischen Fähigkeiten nannte man ihn einen ‹bonae spei puer – hoffnungsvollen Knaben›[7].

Zur Weiterbildung in Grammatik und Rhetorik wurde Augustinus in das etwa 30 km entfernte Madaura geschickt[8]. Als 15jähriger musste er jedoch aus Mangel an Finanzen der Eltern seine dortigen Studien für ein Jahr unterbrechen. Nachdem es dem Vater mit Hilfe eines befreundeten Gönners gelungen war, die Kosten für die weiteren Studien aufzubringen, zog Augustinus 370 nach Karthago. Er genoss dort die Freiheiten des Studentendaseins und nahm sich eine Konkubine. Sie schenkte ihm einen Sohn, den er Adeodatus nannte[9].

Zum Studium der Rhetorik gehörte die Lektüre der Werke Ciceros. Darüber berichten die Confessiones: «Im Verlauf des Studiengangs kam ich an das Buch eines gewissen Cicero ... Das Buch enthält seine Aufforderung, sich der Philosophie zu widmen. Es trägt den Titel Hortensius. Jenes Buch führte eine Wende in mir herbei»[10]. Der von seiner Mutter religiös erzogene Augustinus war enttäuscht, dass ihm Christi Namen darin nicht begegnete. Er las zwar daraufhin die Bibel, indes, ihr Stil gefiel ihm nicht. Außerdem plagte ihn die Frage nach der Herkunft des Bösen in der Welt, worauf die Manichäer ihm eine schlüssige Antwort zu geben versprachen.

Der Manichäismus, eine vom Perser Mani im 3. Jahrhundert nach Christus gegründete Religion, fußte weltanschaulich auf einem Dualismus, wonach das Gute und das Böse gleich zweier Prinzipien einander gegenüberstehen. Das Unheil in der Welt, so lehrten dessen Anhänger, entstamme der Vermengung des Guten mit dem Bösen. Das Heil hingegen erfolge auf dem Weg der Befreiung aus der Umklammerung des Bösen. Augustins missionarischer Eifer für den Manichäismus war beachtlich. Er nahm sogar die Entfremdung zwischen sich und seiner Mutter in Kauf, die ihm vorübergehend das Haus verbot[11].

Augustin rühmte sich, dass er als Student nicht nur die schwerverständliche Schrift des Aristoteles über die Kategorien, sondern auch «alle Bücher der sogenannten freien Künste» für sich selber gelesen und verstanden habe. Dazu gehörten außer den Werken Ciceros über die Rhetorik[12] die Handbücher zur Geometrie, Musik und Arithmetik. Bei den Schilderungen seiner Studien lässt er abermals durchblicken, welch ‹rasche Auffassungsgabe› und welch ‹dialektische Schärfe› zu seinen Geistesgaben zählten[13].

Nach Abschluss seiner Studien lehrte Augustin für eine kurze Zeit Grammatik in seiner Vaterstadt[14] und darauf Rhetorik in Karthago, wo er bis zu seinem 29. Lebensjahr blieb. Er muss schon in seinen jungen Jahren ein faszinierender Lehrer und Erzieher gewesen sein, denn er erzählt, dass der um einige Jahre jüngere Alypius, später ein namhafter Jurist, Bischof und sein bester Freund, entgegen den Willen seines Vaters, der mit Augustinus ein Zerwürfnis hatte, dennoch seinen Unterricht besuchte – zunächst aus Neugier, dann aber ostentativ, weil er ihn schlicht ‹für gut und für gelehrt› hielt[15].

In Karthago noch schloss Augustinus sich dem akademischen Skeptizismus an. D.h., er hielt es in Punkto Weltanschauung für besser, sich eines Urteils zu enthalten. In dieser Geisteshaltung verließ er im Jahr 383 Karthago und zog nach Rom.

Als Grund für diesen Wechsel geben die Bekenntnisse das lümmelhafte Benehmen der karthagischen Studenten an[16]. Aber die Studenten in Rom enttäuschten ihn nicht weniger, da sie ihm vielfach das Honorar schuldig blieben[17]. Er war darum froh, als sich seine Verhältnisse durch seine Berufung zum Professor der Rhetorik in der Kaiserstadt Mailand entschieden verbesserten.

In Mailand begegnete Augustinus das Christentum in der Gestalt des hochgebildeten Ambrosius. Er begann die Gottesdienste des Bischofs zu besuchen, zunächst freilich nur «um zu prüfen, ob dessen Redekunst mit ihrem Ruf in Einklang stünde»[18]. Allmählich interessierte er sich auch für den Inhalt. Ambrosius entnahm nämlich das theoretische Gerüst seiner Darlegungen nicht nur der Bibel, sondern auch der damals weitverbreiteten neuplatonischen Philosophie, so dass Augustinus die biblisch-christliche Verkündigung schon im Kontext des platonischen Denkens kennen lernte.

Hinzu kommt, dass Augustin in Mailand Kontakte zu einem Kreis von Intellektuellen knüpfen konnte, die alle Anhänger jener Philosophie waren. Die Neuplatoniker, namentlich Plotin ihr Haupt, Porphyrios sein Schüler und Jamblich Schüler wieder des Porphyrios waren Erneuerer der Philosophie Platons im 3. Jahrhundert nach Christus. Mit dem Christentum verband sie ihr rein geistiger Gottesbegriff. Der Rhetor Marius Victorinus, ein Landsmann Augustins, übersetzte Schriften von ihnen ins Lateinische und machte ihre Gedanken zugleich auch für die christliche Theologie des Westens akzeptabel.

In den Bekenntnissen, in denen Augustinus von seiner ersten Lektüre neuplatonischer Schriften berichtet, heißt es: «Du (Gott) spieltest mir .... einige aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzte Bücher der Platoniker in die Hände»[19]. Welche Bücher dies im einzelnen waren, ist für unser Thema unerheblich. Erheblich ist aber die Tatsache, dass erst deren Lektüre ihm den definitiven Zugang zum Christentum ermöglichte[20].

Die Bekehrung selbst mit dem vielzitierten Höhepunkt des «Nimm und lies!» schildert Augustin freilich unter Aufbietung seines ganzen literarischen Könnens als einen alleinigen Akt der göttlichen Gnade. In den bald darauf entstandenen Frühschriften hingegen hebt er die Wirkung der Lektüre jener neuplatonischen Schriften gebührend ins Licht. Er vergleicht sie mit «Tropfen kostbarsten Öls», die in ihm ein «unglaublich loderndes Feuer» entzündet hätten, und die er deshalb «mit größter Aufmerksamkeit und Hingabe ganz und gar durchlas»[21].

Zu den gelesenen ‹Büchern der Platoniker› gehörte höchst wahrscheinlich die Schrift des Porphyrios über Die Rückkehr der Seele. Hinter diesem Titel verbirgt sich das philosophische Programm einer Ethik, die an eine ganz bestimmte Ontologie, an eine Lehre über das Sein des Seienden, des Universums, gebunden ist.

Im Hinblick auf dieses Sein unterschieden die Platoniker zwischen einer dem Raum und der Zeit enthobenen geistigen und unveränderlichen Welt sowie einer davon abhängigen, dem Raum und der Zeit unterworfenen, materiellen und veränderlichen. Zugleich teilten sie die aus beiden Welten bestehende Wirklichkeit in gestufte Seinssphären auf. Man spricht deshalb in bezug auf diese ihre Lehre von einer Ontologie der Stufen. An deren Spitze steht ein begrifflich nicht näher fassbares Prinzip, das die Neuplatoniker schlicht ‹das Eine› nannten. In der Mitte dieser Skala von Seinsstufen, die zugleich eine Werteskala ist, befindet sich der Mensch; mit seiner Geistseele gehört er dem oberen, mit seinem Leib aber dem unteren Bereich an.

Man sieht unschwer, worauf es bei der Rückkehr der Seele ankommt. Nach der Philosophie der Neuplatoniker gewinnt und sichert der mit Vernunft und Willensvermögen ausgestattete Mensch seinen Heilsstand in der ‹Um- und Rückkehr›, in der ἐπιστροφή, in der ‹conuersio›. Darin, in der Um- und Rückkehr, vollzieht sich zugleich der ‹Aufstieg›[22] zum ‹Einen›, dem Ursprung allen Seins. Auf diese Rückkehr der Seele zielt auch das neuplatonischen Bildungs- und Erziehungsprogramm ab.

Nun bekehrte Augustinus sich nicht zum Neuplatonismus, sondern zum Glauben der katholischen Kirche. Ist aber im Evangelium nicht ebenfalls von der ‹Umkehr›[23] die Rede? Zur Zeit seiner Bekehrung erblickte Augustinus noch in beiden Forderungen zur ‹Um- bzw. Rückkehr› ein gewisses Maß an Übereinstimmung, was er bei der Abfassung seiner Bekenntnisse, ein Jahrzehnt später, nicht mehr tat. Jetzt war er vom neuplatonischen Bildungs- und Erziehungsprogramm so begeistert, dass er sich unverzüglich anschickte, es, wenngleich christlich modifiziert, in die Tat umzusetzen.

*

Schon bald nach der Bekehrung im Sommer 386 gab Augustinus sein Lehramt in Mailand auf, nicht jedoch das Lehren. Mit einer kleinen Schar von Verwandten, Freunden und Schülern zog er sich auf das Landgut Cassiciacum[24] unweit Mailand zurück. Dort entstanden seine ersten philosophischen Dialoge, stenographisch festgehaltene und im Nachhinein stilistisch überarbeitete Diskurse über die Möglichkeit sicherer Erkenntnisgewinnung, über die Frage nach dem wahren Glück und schließlich über das Vorhandensein einer von Gott gelenkten Ordnung.

Im großen und ganzen glich der ein Vierteljahr dauernde Lehrbetrieb dem eines Internats mit einem festem Erziehungskonzept[25]. Die jungen Leute, die sich auch mit ländlichen Arbeiten befassten, oblagen ihren Studien unter der Leitung Augustins. Es wurden Dichter gelesen, Vergil, Schriften Ciceros und Varros und wahrscheinlich auch einige neuplatonische Schriften in lateinischer Übersetzung. Daneben gab es Zeit für Muße und Erholung.

Die Höhepunkte des Unterrichtes bildeten die aufgezeichneten Diskurse. Sie bezeugen den hohen Stellenwert der Philosophie im Unterricht, und zwar für eine Bildungselite. Gleich im ersten Diskurs über den Nutzen und den Sinn des Philosophierens, steht nämlich der an Klarheit nichts missen lassende Satz: «Es pflegen die bedeutendsten Sachen bzw. Sachverhalte (maximae res), wenn sie von Schülern (a paruis) erörtert werden, diese selbst bedeutend (magnos) zu machen»[26].

Eine Reihe von Diskursen hatte die Ordnung im Aufbau der Welt zum Thema. Dabei tauchten Fragen auf wie die, ob die Welt angesichts der unübersehbaren Widrigkeiten überhaupt von einer Ordnung durchwaltet werde. In seiner Antwort verweist Augustin auf die Wichtigkeit der Perspektive. Wer z.B. ein Mosaik betrachte, dürfe sich nicht bei einzelnen Steinchen aufhalten. Es gelte vielmehr, das Ganze aus nötigem Abstand zu sehen, anders werde man dessen Schönheit und Harmonie nicht ansichtig.

Der Seinsordnung habe eine Ordnung der Wissenschaften und dieser wieder der Unterricht zu korrespondieren. Was alle diese Ordnungen miteinander verbinde sei die Vernunft, der λόγος, die ‹ratio›. Sie walte sowohl im Kosmos wie auch in der Geistseele des Menschen, die daran einen Anteil hat. Nur kraft dieses Anteils könne sinnvoll von einer in die Seinsordnung gleichsam eingebetteten Bildungsordnung die Rede sein.

Ehe Augustin auf diese Bildungsordnung zu sprechen kommt, erörtert er das Verhältnis von Autorität und Vernunft als die beiden Quellen der Erkenntnis. Am Anfang des Wissenserwerbs steht das Vertrauen auf eine Autorität, sei es die der Eltern, sei es die der Lehrer, sei es die Gottes. Der Vernunft allerdings obliegt die Aufgabe, das Geglaubte soweit möglich in gesichertes Erkennen zu überführen. «In zeitlicher Hinsicht», so das Fazit, «nimmt die Autorität die erste Stelle ein, in sachlicher die Vernunft»[27].

Mit der Definition, die Vernunft sei «eine Bewegung des Geistes, der die Fähigkeit zu eigen ist, das Gelernte zu unterscheiden und zu verbinden»[28], eröffnet Augustin den Diskurs über die Studienordnung. Er unterscheidet zunächst zwischen den Begriffen ‹vernünftig› und ‹vernunftgemäß›. Ersteres ist, was der seine Vernunft Gebrauchende tut, letzteres, was mit Vernunft getan wird. Wissen im strengen Sinn des Wortes gewinnt der Mensch nur, wenn er mit Hilfe der Vernunft das Vernunftgemäße an den Objekten der Erkenntnis sucht.

Bei der Suche steht dem Suchenden ein Zyklus von sieben Einzeldisziplinen zur Verfügung. Sie werden aufgeteilt in eine ‹Trivium› genannten Kanon mit den die Sprache betreffenden Fächern der Grammatik, der Dialektik und der Rhetorik[29], sowie einem ‹Quadrivium› genannten mit den die Zahlen betreffenden Fächern der Musik, der Geometrie, der Astronomie und der Arithmetik[30].

Gewiss haben die genannten Fächer ihr Eigengewicht und ihren Nutzen, die Grammatik z.B. für das korrekte Sprechen, Lesen und Schreiben, sie gewinnen jedoch ihre im Zyklus intendierte Bedeutung erst in der Wahrnehmung der sämtliche Bildungsstoffe durchziehenden und sie verbindenden Rationalität.

Wie ein Blick in eine lateinische Wortkunde zeigt, bedeutet ‹ratio› primär die Zahl und das Gezähltes. Am Ende der Erörterung der Arithmetik, der obersten Stufe auf der Bildungsleiter, heißt es von der über die Zahl reflektierende Vernunft: weil ihr bereits in allen Disziplinen Zahlen begegnet seien, begann sie sich zu fragen, ob sie nicht vielleicht selbst Zahl sei, durch die alles gezählt werde, oder ob die Zahl nicht identisch sei mit dem Ziel, zu dem sie, die Vernunft, gelangen wolle[31].

Was ist dieses Ziel, wenn nicht die Zahl ‹Eins› an der Spitze des von Zahlen beherrschten Kosmos? Und was sind die Zahlen insgesamt, wenn nicht das unbegrenzt Vielfache der ‹Eins›, gleichsam der Mutter aller Zahlen? Nach der idealistischen Philosophie der Platoniker konstituieren und strukturieren sie, obgleich ihrem Wesen nach raum- und zeitlos das Universum.

Die Musik z.B., um das Gesagte zu illustrieren, ist nicht vermöge ihrer akustischen Wahrnehmbarkeit eine Disziplin, sondern vermöge ihrer aus Zahlen bestehenden Harmonien und Disharmonien. Die reine Oktav, die reine Quart, die reine Terz, sind mathematische Größen, die nicht wie die Töne vergehen, sondern jenseits aller Töne bestehen und deshalb, weil sie bestehen, von der Vernunft, unabhängig davon, ob Töne erklingen, einsichtig gemacht werden können[32]. Von einer anderen Disziplin, der Geometrie, lehrt Augustinus, ehe könne man auf dem Trockenen mit einem Schiff fahren, als mit den Sinnen Geometrie treiben[33].

*

Noch während seines Aufenthaltes in Cassiciacum plante Augustinus die Abfassung einer Dutzende von Bänden umfassenden Enzyklopädie. In den gegen Ende seines Lebens geschriebenen kritischen Revision seiner Werke heißt es dazu: «In der Zeit, da ich in Mailand die Taufe empfangen sollte, habe ich versucht, Bücher über die Wissenschaften zu schreiben». Die pädagogische Absicht, die er damit verfolgte war klar. Sie sollten die Schüler «durch den Bereich körperlicher Dinge und Sachverhalte gleichsam auf gesicherten Stufen zu den unkörperlichen ... hinführen»[34]. Er habe aber davon lediglich den Teil über die Grammatik fertig stellen können. Sie sei ihm jedoch abhanden gekommen. Von den Disziplinen der Dialektik, der Rhetorik, der Geometrie, der Arithmetik und der Philosophie habe er jeweils nur die ebenfalls verloren gegangenen Anfänge geschrieben.

Erhalten blieben aber die ersten sechs Bücher der etwa um 388/89 abgefassten Schrift Über die Musik[35]. Von ihnen beschäftigen sich die ersten fünf ebenfalls ausschließlich mit dem Rhythmus, der Metrik der Verse und Versfüße. Bei der Lektüre des sechsten Buches gerät man ins Staunen, denn es hat einen unverkennbar anderen sprachlichen wie inhaltlichen Duktus. Stammten die Zitaten in den ersten fünf Büchern so gut wie ausnahmslos aus heidnischer Feder, aus Catull, Horaz, Vergil und Terenz, so strotzt das sechste von Sentenzen aus der Bibel. Ausdrücklich beteuert Augustinus, dass er sich allzu lange bei den Grammatikern und Poeten aufgehalten habe, was er nicht für gut halte.

Was ist geschehen? Wie lässt sich dieses Sich Distanzieren von den einst vertretenen Bildungs- und Erziehungsidealen in ein und demselben Werk erklären? Es gibt dafür einen doppelten Grund, einen biographischen und einen theologischen.

Augustinus wurde 391 Priester in der nordafrikanischen Hafenstadt Hippo. Er war nun als Seelsorger nicht nur für die Gebildeten, sondern auch für die des Lesens und Schreibens Unkundigen zuständig. Ihr Bildungs- und Erziehungsprogramm entnahm aber die Kirche der Bibel. Aus diesem Grunde ließ er sich bald nach seiner Ordination zum Zwecke «eines erneuten und tieferen Eindringens in die hl. Schrift» von seinem Bischof für einige Monate beurlauben. Er war überzeugt, dass in der Bibel auch bezüglich der Seelsorge Anleitungen zu finden seien, die diese Aufgabe erleichterten[36].

Kaum zum Bischof geweiht, erhielt Augustinus um 396/97 einen Brief von Simplizian, dem Nachfolger des Ambrosius in Mailand, in dem dieser ihn um die Beantwortung verschiedener Fragen bat, darunter einige, die das Zusammenwirken von der Freiheit des Willens und von der Gnade betreffen. Augustin vertiefte sich erneut in die Briefe des Apostels Paulus. Er las Rm 9,16: «So kommt es nicht auf das Wollen und Streben des Menschen an, sondern auf das Erbarmen Gottes»; er las Phil 2,13: «Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt». Aufgrund solcher Texte sah er sich er sich genötigt, seine bisherige Lehre über die Gnade zu modifizieren. «Bei der Lösung dieser Frage», schreibt er später, «ist zwar eine Menge zugunsten der freien Willensentscheidung vorgebracht worden, die Gnade Gottes blieb jedoch Siegerin»[37].

Man wird die Tragweite dieser neu gewonnenen Sicht über das Christ werden und Christ sein für die pädagogisch wie pastoralen Aktivitäten Augustins nicht unterschätzen dürfen. Vieles wurde jetzt anderes gesehen und anders bewertet, nicht zuletzt die Bildungsprogramme mit ihren Bildungsstoffen.

Ein luzides Beispiel liefern gerade die sechs Bücher Über die Musik. Um das Jahr 408/409 erhielt nämlich Augustinus einen Brief von einem Bischofskollegen namens Memorius, der ihn um eine Abschrift von De musica bat. Augustin verweigerte die Bitte mit der Begründung, er sei noch nicht dazu gekommen, die ersten fünf Bücher, die von Prahlereien voll seien, zu überarbeiten. Überarbeitet habe er aber inzwischen das sechste Buch; das wolle er ihm gerne zusenden[38].

*

Wie eingangs erwähnt, erblickte Augustinus in der Kirche eine Art Schule und Erziehungsanstalt mit Christus dem eigentlichen Lehrer und Erzieher. Als Bischof, hatte er in dessen Namen die Gläubigen zu unterweisen und zu erziehen. Gleich zum Beginn seines Episkopates verfasste er eine seiner bedeutsamsten Schriften, mit der er die Fundamente und die Ziele der christlichen Gelehrsamkeit wie auch die des Unterrichtes für ein Jahrtausend festlegte[39]. Er gab ihr den programmatischen Titel De doctrina christiana – Die christliche Wissenschaft bzw. Unterweisung (oder Belehrung)[40].

Wohlgemerkt, Augustinus hat nicht gesagt es gäbe nur eine Wissenschaft, die christliche. Er wollte aber dem von der Kirchen vermittelten Wissensstoff den Rang einer Wissenschaft einräumen, und dies in aller Deutlichkeit. Augustinus gehört nicht in den Kreis Bildungsfeindlicher Fanatiker wie jener legendäre Kalif, der die Bibliothek von Alexandrien mit der Begründung anzünden ließ, alles Wahre stünde bereits im Koran.

Die christliche Wissenschaft entnimmt ihren Bildungsstoff der Bibel. Sache der Bibel aber ist Gott. «Seit Erschaffung der Welt», dies las Augustinus im Römerbrief, werde Gottes «unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen» (1,20). Darüber hinaus offenbart der dreieinige Gott sich in der Geschichte seines Volkes, die in der Menschwerdung Christi gipfelt. Davon berichtet das Neue Testament und das darauf hin zu lesende Alte. Gottes Heilshandeln in der Zeit, das also ist der Stoff der Bibel.

Weil allerdings die Texte der Bibel unterschiedlich ausgelegt werden können, bedarf es der Normen und Regeln für deren Auslegung. Für Regeln aber sind die Wissenschaften insgesamt, nicht nur die bereits erwähnten sieben, sondern auch alle anderen, die Geschichte, die Botanik, die Medizi etc. zuständig[41]. Sie werden jetzt erneut behandelt und in den Dienst des christlichen Unterrichtes gestellt.

Sind diese Regeln ebenso zuverlässig wie die Sache, von der Bibel berichtet? Augustinus beantwortet diese Frage mit einem eindeutigen Ja. Denn Erkenntnisse sind Einsichten in wahre Sachverhalte, die Geltung beanspruchen. Da Gott Quelle alles wahren Wissens ist, darf es keinen Grund für eine Ausklammerung der Wissenschaften aus dem christlichen Unterricht geben. Der Christ, sofern er dazu befähigt ist, soll sich nicht nur ihrer bedienen, er muss von ihnen Gebrauch machen. Augustin vergleicht diese in den Dienst der Verkündigung genommenen Wissenschaften aus der heidnischen Antike mit dem Gold und dem Silber, das die Israeliten, wie die Bibel erzählt, beim Auszug aus Ägypten auf ausdrücklichen Befehl Gottes hin mitgenommen hatten[42].

Aufgabe der christlichen Wissenschaft bzw. Unterweisung ist somit das Lehren und Lernen von Regeln, die bei der Lektüre biblischer Texte Christen helfen sollen, Gott zu erkennen und zu verehren. War dies aber nicht Ziel auch der von den Neuplatonikern empfohlenen Disziplinen? Ja und Nein. Ja, sofern ihr Bildungsprogramm auf die Erkenntnis Gottes als Prinzip des Seins, als Quelle alles Wahren, Guten und Schönen abzielte. Nein, sofern sie das in der Menschwerdung Christi gipfelnde Handeln Gottes in der Zeit und damit den biblischen Gottesbegriff vehement ablehnten.

Worin aber liegt die Überlegenheit und der Vorzug der biblischen Gottesvorstellung gegenüber die der Neuplatoniker? Diese Frage beantwortet die Schrift Von der christlichen Unterweisung.

Gewiss ist Gott auch nach der biblischen Offenbarung Prinzip des Seins, Quelle des Wahren, Guten und Schönen. Er ist aber darüber hinaus seinem Wesen nach allem voran ‹caritas-Liebe›. Keiner der Theologen hat zuvor gerade diesen Aspekt des Gottesbegriffes für das christliche Bildungsprogramm so überzeugend aus der biblischen Offenbarung abgeleitet und für den Unterricht aufbereitet wie der Bischof von Hippo. Gott ist nicht allein Inbegriff der Wahrheit, er ist die Liebe. Erst beides, Wahrheit und Liebe liefern den Verstehensschlüssel zu den biblischen Texten.

Augustinus hatte aufgrund seiner intensivierten Bibelstudien erfasst, dass die Texte der Bibel uns nichts anderes lehren, uns zu nichts anderem erziehen wollen als zur ‹caritas›, zur Gottes- und Nächstenliebe. Mit einer Selbstverständlichkeit sondergleichen ging er deshalb daran, das Studium der ‹caritas› dem der ‹ueritas› gleichzustellen. Bildung ist nicht allein Sache des Intellektes, sondern auch der Herzens. Gottes Wahrheit, Liebe und Ewigkeit bilden gleichsam einen Zirkel. Bündig und auch sprachlich vollendet nennt er Gott die «ewige Wahrheit, die wahre Liebe und die geliebte Ewigkeit»[43].

Es ist also in bezug auf das Lehren und Erziehen bei Augustinus eine Akzentverschiebung zwischen seinen frühen und späteren Schriften wahrzunehmen. Es gibt da aber bei allem Wandel eine Kontinuität, die sich in der bleibenden Überzeugung von der Notwenigkeit der Unter- und Zuordnung allen Wissens auf ein höheres Ziel hin zeigt.

Wissen hat keinen Eigenwert – darin ist Augustinus sich mit den Neuplatonikern einig. Ein Studium, das lediglich der Sammlung von Wissen dient, wird von ihm lapidar Neugierde genannt[44]. Wo immer Menschen sich dem Wissensstoff allein zuwenden, als gäbe es sonst nichts, dort gebiert die Wissenschaft Hochmut, die ins Verderben führt. Worin zeigt sich der Wandel? In der zunehmenden Wertschätzung der ‹caritas›. «Füge dem Wissen die Liebe hinzu», sagt der Bischof in einer Predigt, «und es wird nützlich werden das Wissen – nicht durch sich selbst, sondern durch die Liebe»[45].

Augustinus war, wie bereits erwähnt, ein exzellenter Pädagoge, dessen didaktische Fähigkeiten unbestritten sind. Zu seinen pastoralen Aufgaben gehörte die Erteilung des Unterrichtes für die Katechumenen. Ebenfalls noch in seinen früheren Bischofsjahren schrieb er ein Büchlein mit dem Titel Vom ersten katechetischen Unterricht[46]. Darin befinden sich zwei Katechesen, eine kürzere und eine längere, die musterhaft zeigen, worauf es im Christentum sowohl hinsichtlich der Lehre wie auch der Sittlichkeit ankommt. Und da ein erfolgreicher Unterricht nicht zuletzt von der Methode der Darbietung des Stoffes abhängt, geht er ausführlich auf die Fragen ein, wie die Lernmüdigkeit und der Überdruss am Stoff zu überwinden sei. Er empfiehlt einen heiteren Unterricht. Gelingt es dem Lehrenden ein von Furcht und Angst freie Atmosphäre zu schaffen, so dürfte er des Erfolges sicher sein. Die Dialoge von Cassiciacum legen ein beredtes Zeugnis davon ab, wie es Augustinus gelang im Diskurs eine Spannung zu entfachen und diese durch eine geschickte Gesprächsführung im Gang zu halten. Seine Predigten – viele reisten aus fernen Ländern an, um sie nicht nur zu lesen, sondern auch zu hören – waren alles andere als langweilig.

*

Am Ende meines Vortrages soll Kritisches nicht verschwiegen werden. Man lastete Augustinus die Verkümmerung der Naturwissenschaften während der folgenden Jahrhunderte in Europa an, weil er die Wissenschaften vorzüglich auf die Bibelinterpretation hin einschränkte. So lange das kirchliche Lehramt, sich auf die überragenden Autorität Augustins berufend, sich gegen eine Revision ihrer Blockade den Wissenschaften gegenüber sperrte, kultivierte sie eine die Naturgesetze nicht wahrhaben wollende Ignoranz (Gallilei, Darwin). Erst als in der Neuzeit der Prozess der Emanzipation aus dem kirchlich gebundenen Wissenschaftsverständnis einsetzte, habe sich in den Naturwissenschaften der Erkenntnisfortschritt eingestellt.

Diese Kritik trifft Augustinus insofern, als er den Quellgrund der Erkenntnisgewinnung tatsächlich der Bibel zusprach. Daraus zogen allerdings nicht er, sondern Epigonen, die mit dem Wissen ihrer Zeit nicht mehr so souverän wie er umzugehen verstanden, den verhängnisvollen Schluss, Wissen als solches sei schädlich und mit dem Glauben als Erkenntnisquelle nicht vereinbar. Beschäftigt man sich indes ein wenig näher mit jenen Schriften, in denen Augustinus biblische Texte auslegt, so staunt man darüber, in welcher Dichte und mit welcher Aufgeschlossenheit er das Wissen seiner Zeit zu Rate zog, um in den Sinn dieser Texte eindringen zu können.

Folgendes halte ich indessen im Hinblick auf unser Thema für erwägenswert: Heute, da die Desillusion hinsichtlich einer Heilserwartung seitens der Wissenschaften auch die breiten Schichten der Gesellschaft ergreift, und der Mensch angesichts des kaum mehr überschaubaren und registrierbaren Wissens sich wieder auf die Suche nach dem Sinn aufmacht, könnte ein Bildungsprogramm, das auch den emotionalen Schichten des Menschen mehr Rechnung trägt eine Hilfe bedeuten.

Wenn also der Kirchenvater, wie gezeigt, die Wissenschaften zwar der Offenbarungslehre unterordnete, den Sinn und Zweck der Offenbarung selbst jedoch in der Anleitung des Menschen zur Gottes- und Nächstenliebe erblickte, dann dürften die an einem solchen Bildungsprogramm sich Orientierenden an einer Auflösung humaner Werte kaum beteiligen. Positiv gewendet heißt das: Der nicht allein vom Intellekt, sondern auch vom Herzen her gebildete Christ, worin das augustinisch-christliche Bildungsideal kulminiert, wird sich bemühen, mit dem Wissen selektiv umzugehen. Denn, so wichtig Wissen in unserer technisch hochentwickelten Zivilisation auch sein mag, nicht dessen Beherrschung macht den Menschen im Sinne auch der Humanität gebildet, sondern dessen Verankerung in Gott, bei dem sich der Mensch mit allem, was zum Menschsein gehört geborgen weiß.

Und noch ein Letztes: Auf der Homepage des Zentrums für Augustinus-Forschung in Würzburg www.augustinus.de verzeichnet die Statistik Tag für Tag 3-400 Besucher aus aller Welt mit Tausenden von An- und Abfragen. Fachleute sagen, dieses Interesse für einen Kirchenvater aus der Zeit der Spätantike sei enorm. Wir bemühen uns auch die Veröffentlichungen über Augustinus ihn aus aller Welt zu erfassen und bibliographisch aufzuarbeiten. Jahr für Jahr erscheinen immer noch rund 300 Titel – ebenfalls eine enorme Zahl. Kein geringerer als Adolf von Harnack, Universalgelehrter und Wissenschaftsorganisator zugleich, Mitglied zahlreicher Akademien der Wissenschaften, sagte über Augustinus: «Er ist der Mann, der überhaupt in der Antike und in der Kirchengeschichte nicht seinesgleichen gehabt hat»[47]. Eine Schule, die sich mit seinem Namen schmückt, darf darauf stolz sein. Ich wünsch ihren Schülern und Lehrern für die kommenden Zeiten Gottes Segen beim Lehren und Lernen.

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[1] A. Zumkeller, Disciplina christiana (De-), AL 2 (1996-2002) 464-471.

[2] Siehe dazu meinen Aufsatz im Internet, www.augustinus.de: Die ‹Confessiones› – Autobiographe oder Werbeschrift für das Christentum?

[3] Conf. 2,5.

[4] Zum Begriff Bildung bei Augustsinus: C. Mayer, Eruditio: AL 2 (1994-2002) 1094-1114.

[5] Conf. 1,19sq.

[6] I. Hadot, Erziehung und Bildung bei Augustin, in: Internationales Symposion über den Stand der Augustinus-Forschung (hrsg. von C. Mayer/K.H. Chelius), Würzburg 1989, 99-130, 116-118.

[7] Conf. 1,26.

[8] Conf. 1,5.

[9] Conf. 4,2 und 9,14.

[10] Conf. 3,7.

[11] Conf. 3,19.

[12] I. Hadot, 120

[13] Conf. 4,28-30.

[14] Possid. uita Aug. 1,2 (p. 42 Pellegrino)

[15] Conf. 6,11..

[16] Conf. 5,14.

[17] Conf. 5, 22.

[18] Conf. 5,23

[19] Conf. 7,13.

[20] Hadot, 127.

[21] Acad. 2,5.

[22] G. Madec, Ascensio, ascensus: AL 1 81986-1994) 465-475.

[23] Mc 1,15.

[24] G. O’Daly, Cassiciacum: AL (1986-1994) 771-781.

[25] M.P. Steppat, Die Schola von Cassiciacum. Augustins ‹De ordine›, Bad Honnef 1980.

[26] Acad. 1,6.

[27] Ord. 2,26. Dazu K.-H. Lütcke, Auctoritas: AL 1 (1986-1984) 498-510.

[28] Ord. 2,30.

[29] Ord. 2,35-38.

[30] Ord. 2,38.43,

[31] Ord. 2,43

[32] Ord. 2,41.

[33] Sol. 1,9

[34] Retr. 1,6. Siehe dazu auch M. Fussl/D. Pingree, Disciplinae liberales: AL 2 (1996-202) 472-485.

[35] Siehe dazu die Monographie: A. Keller, Aurelius Augustinus und die Musik. Untersuchungen zu ‹De musica› im Kontext seines Schrifttums, Würzburg 1993.

[36] Ep. 21,4

[37] 1 Retr. 2,1.

[38] Ep. 101. Siehe dazu J. Divjak/Red, Epistulae: AL 1 (1986-1994) 893-1057, 967, sowie A. Keller, op. cit. 154-157.

[39] C. Mayer, Der gebildete Christ. Fundamente und Ziele christlicher Gelehrsamkeit nach dem heiligen Augustinus: Theologie und Philosophie 52 (1977) 272-279.

[40] K. Pollmann, Doctrina christiana (De-): AL 2 (1996-2002) 551-575. R. Lorenz, Die

[41] Einzellerörterungen dieser Wissenschaften in doctr. chr. 2.

[42] Ex 3,22; 12,35sq.; Doctr. chr. 2,60-63. Dazu auch C. Mayer, Die Zeichen in der geistigen Entwicklung und in der Theologie Augustins, Würzburg 1974, 320.

[43] Conf. 7,16.

[44] Siehe dazu ep. 118 an Dioscorus und R. Lorenz, Die Wissenschaftslehre Augustins, in: ZKG 67 (1955) 29-60; 213-251, 244-246.

[45] Io. eu. tr. 27,5.

[46] C. Mayer, Catechizandis rudibus (De-): AL (1986-1994), 794-805. Die Schrift wurde unter dem Titel Vom ersten katechetischen Unterricht, München 1985, von W. Steinmann neu übersetzt und mit Erläuterungen von O. Wermelinger versehen.

[47] Was verdankt unsere Kultur den Kirchenvätern? in: Aus Wissenschaft und Leben, Gießen 1911, 3-22, 20. Dazu C. Mayer, «Er ist der Mann, der überhaupt in der Antike und in der Kirchengeschichte nicht seinesgleichen gehabt hat». Augustinus im Werk Adolf von Harnacks, in: Gießener Universitätsblätter 28 (1995) 81-92.